Techniktraining im Klartraum

Aus Small World

Wechseln zu: Navigation, Suche

Daniel Erlacher - Institute for Sport and Sport Science, University of Heidelberg, Germany

Bitte zitieren als:
Erlacher, D. (2001). Techniktraining im Klartraum. Theoretische und empirische 
Annäherung an ein neues Feld der Bewegungswissenschaft. Unveröffentlichte Magisterarbeit:
Universität Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Diese Magisterarbeit befasst sich mit zwei unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen: der Sportwissenschaft und der Traumforschung – im Speziellen der Klartraumforschung. Im Klartraum ist sich der Träumende bewusst, dass er träumt. Mit diesem Wissen kann er den fortlaufenden Traum willentlich steuern. Klarträumer können dadurch ihren Traum-Körper frei in einem Traum bewegen, während der physikalische Körper schlafend im Bett liegt. Für den Sportwissenschaftler ergeben sich hieraus zwei interessante Fragen: Ist es – erstens – einem Klarträumenden möglich, sportliche Übungen im Klartraum zu trainieren? Und welche Transfereffekte ergeben sich gegebenenfalls – zweitens – von dem Training im Klartraum auf das Wachleben? Diese Fragen werden in einem ersten theoretischen Teil erörtert. Im zweiten, empirischen Teil werden zwei Untersuchungen vorgestellt, die sich mit Studiendesigns für die Klartraumforschung auseinandersetzen.

Schlüsselwörter: Klartraum, luzider Traum, motorisches Lernen, Techniktraining

Einleitung

Die Stadt lacht wie ein Meer
ein wilder Stoß, schon lange her
viel zu viel vielleicht
war die letzte Zeit
den Schlüssel zur Nacht begraben
nur genommen, was wir schon haben
nur genannt, was wir schon nennen
nur gesehen, was wir schon kennen
so träum ich
- Jan Plewka (1996)

Diese Magisterarbeit befasst sich mit zwei unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen: der Sportwissenschaft und der Traumforschung – im Speziellen der Klartraumforschung. Im Klartraum ist sich der Träumende bewusst, dass er träumt. Mit diesem Wissen kann er den fortlaufenden Traum willentlich steuern. Es ergibt sich dadurch die Paradoxie, dass sich ein Klarträumer frei mit seinem Traum-Körper bewegen kann, während sein physikalischer Körper schlafend im Bett liegt. Für den Sportwissenschaftler ergeben sich hieraus zwei interessante Fragen: Ist es – erstens – einem Klarträumenden möglich, sportliche Übungen im Klartraum zu trainieren? Und welche Transfereffekte ergeben sich gegebenenfalls – zweitens – von dem Training im Klartraum auf das Wachleben? Wenn also ein Klarträumer sportliche Bewegungen übt und sich nach dem Erwachen Verbesserungen dieser Bewegungen feststellen ließen, dann könnte man berechtigterweise behaupten, dass diese Trainingsform völlig neue Perspektiven eröffnet – sowohl in praktischer Hinsicht für den Sportler und Trainer als auch in theoretischer Hinsicht für den grundlagenorientierten Sportwissenschaftler.

Dem Sportler würde sich auf der einen Seite ein „Trainingsraum“ bieten, in dem er neue, eventuell gefährliche Bewegungen ohne Angst vor Verletzungen einstudieren könnte. Oder es wäre ihm möglich, schon bekannte Techniken während eines Klartraumtrainings zu verbessern. Weiterhin könnte man diese außergewöhnlichen Trainingseinheiten dann nutzen, wenn ein physisches Üben – z.B. während einer Verletzung – nicht möglich ist. Die Auflistung möglicher Anwendungen des Trainings im Klartraum für den Sportler ließe sich beliebig fortführen. Dem Sportwissenschaftler auf der anderen Seite würden sich neue Perspektiven im Bezug auf theoretische Fragen der Bewegungswissenschaft eröffnen. Wenn sich durch das Training im Klartraum tatsächlich Verbesserungen der Bewegung zeigen sollten, so würde z.B. die Bedeutung von propriozeptivem Feedback beim Bewegungslernen neu überdacht werden müssen. Auf übergeordneter Ebene könnten sich neue fruchtbare Einblicke ergeben, welche das Verhältnis von Bewusstsein und Bewegung betreffen, eine in jüngster Zeit auch in der Sportwissenschaft viel diskutierte Thematik [1].

Die hier skizzierten Überlegungen blicken weit in die Zukunft, wobei es das Ziel dieser Arbeit ist, in diese Richtung vorzustoßen und zumindest teilweise den Konjunktiv aus den angeführten Ideen zu verbannen. Um dieses Unterfangen in Angriff zu nehmen, wird in einem ersten, dem theoretischen Teil dieser Arbeit (Kapitel 2), ausführlich auf die eingangs gestellten Fragen eingegangen. Im zweiten Kapitel wird also das Problem der Handlungsfreiheit des Traum-Körpers während eines Klartraums im Mittelpunkt stehen. Im Bezug auf den Sport umformuliert stellt sich die Frage folgendermaßen: Ist es einem Klarträumenden möglich, sportliche Übungen im Klartraum auszuführen? Hier gilt es zunächst, das Phänomen des Klarträumens näher zu umreißen. Dieser Abschnitt wird relativ umfassend ausfallen, da das Klarträumen in der „scientific community“ sowie in der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt ist und es deshalb einer sehr genauen Einführung bedarf, um möglichen Missverständnissen vorzubeugen. Dabei werde ich auf vier grundsätzliche Aspekte näher eingehen: die physiologischen Grundlagen des Schlafes, empirische Befunde aus der Klartraumforschung, Klartraum-Erwerbstechniken und schließlich wissenschafts- und erkenntnistheoretische Überlegungen. Im dritten Kapitel wird der Fokus auf die Problematik der Transfereffekte gelenkt. Auf den Sport übertragen formuliert sich die Frage wie folgt: Wird das wiederholte Üben einer Bewegung im Klartraum zu Verbesserungen im Wachleben führen? Um sich dieser Fragestellung zu nähern, wird der Blick zunächst auf grundsätzliche Bereiche des motorischen Lernens gerichtet. Näher eingegangen wird auf das mentale Training im Sport, eine Übungsform, bei der man sich nur gedanklich mit der Bewegungsaufgabe auseinandersetzt. Da der Körper hierbei in Ruhe verbleibt, ähnelt diese Trainingsart dem Training im Klartraum. Neben solchen Parallelen werden jedoch auch wichtige Unterschiede zwischen mentalem Training und Klartraumtraining herauszustellen sein, die sich auf das subjektive Erleben so wie auf kortikale Aktivitäten beziehen. Die Darstellung bisheriger Befunde zum motorischen Lernen im Klartraum rundet das dritte Kapitel ab.

Mit den Folgerungen des Theorieteils wird im zweiten Teil der Magisterarbeit der Weg in Richtung Empirie eingeschlagen. Hierzu müssen im Kapitel 4 einige Vorüberlegungen zur Methodik der Klartraumforschung angestellt werden. Dazu wird zunächst ein kurzer Überblick über verschiedene Perspektiven der Traumforschung und deren Forschungsmethoden erfolgen. Die Möglichkeiten der Traumberichtserfassung werden dabei besonders hervorgehoben. Danach wird die experimentelle Phänomenologie vorgestellt. Dabei werden die „phänomenologische“ Methode und die „experimentelle“ Methode als sich ergänzende Untersuchungseinheiten verstanden, die es ermöglichen, das Phänomen Klartraum in seiner Gesamtheit zu erfassen. In einem weiteren Abschnitt wird das methodische Vorgehen bisheriger Klartraumuntersuchungen erörtert, um abschließend die zentralen Untersuchungsfragen zu formulieren. Im Rahmen dieser Magisterarbeit wurden zwei Untersuchungen durchgeführt, die in den Kapiteln 5 und 6 vorgestellt werden. Beide Studien befassen sich mit der Problematik der „Versuchteilnehmerfindung“. In der ersten Studie wird ein direkter Weg gewählt, um dieses Problem anzugehen: In Form eines Kurses sollten bereitwillige Sportstudenten das Klarträumen erlernen. Die zweite Studie wird ein Untersuchungsdesign vorstellen, welches es ermöglichen sollte, über das Internet Klarträumer für Klartraumexperimente zu gewinnen. Das siebte Kapitel schließlich dient der Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte der vorliegenden Arbeit, sowie einem Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten zum Thema „Klartraumforschung und Sport“.


Das Phänomen Klartraum

By a route obscure and lonely,
Haunted by ill angels only,
Where an Eidolon, named NIGHT,
On a black throne reigns upright,
I have wandered home but newly
From this ultimate dim Thule.
- Edgar Allan Poe (1844)

Im zweiten Kapitel steht die Frage im Vordergrund, ob es einem Klarträumer möglich ist, sportliche Übungen im Klartraum auszuführen. Um sich der Antwort anzunähern, scheint es sehr sinnvoll, das Phänomen Klartraum zunächst einmal näher zu beschreiben, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Menschen sich unter dem Begriff Klartraum nichts vorstellen können. Auch eine kurze Definition führt eher dazu, den Gesprächspartner zu verwirren als ihm die Charakteristik eines Klartraums näher zu bringen. Diese Unklarheiten lassen sich nur dann beheben, wenn das Phänomen Klartraum eine eingehende Darstellung erfährt. Dabei sind m.E. vier wesentliche Faktoren besonders hervorzuheben: die physiologischen Grundkenntnisse des Schlafes (2.1), das Wissen um empirische Befunde aus der Klartraumforschung (2.2), die Möglichkeiten, das Klarträumen selbst zu erleben (2.3) und die wissenschafts- und erkenntnistheoretische Einordnung des Phänomens Klartraum (2.4). Auf diese vier Punkte werde ich in den folgenden Abschnitten eingehen und damit zu erklären versuchen, dass es sich beim Klarträumen um eine Fertigkeit handelt, die erlernt werden kann, und dass es dem Klarträumer möglich ist, willentlich in das Traumgeschehen einzugreifen.


Physiologische Merkmale des Schlafes

Wann, wie oft und wie lange der Mensch träumt, war bis vor 50 Jahren noch ein vollkommenes Rätsel. In der Zeit als z.B. Sigmund Freud sein Buch „Die Traumdeutung“ im Jahre 1898 zum ersten Mal veröffentlichte, konnte er noch gar nicht wissen, dass jeder Mensch jede Nacht träumt. Erst die neurophysiologische Schlafforschung der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts eröffnete die Möglichkeit, den Schlaf in verschiedene Stadien einzuteilen und dabei u.a. eine Traumphase zu klassifizieren – eine Tatsache, die man beim Studium von Freuds Klassiker durchaus berücksichtigen sollte. Im Schlaflabor werden zu diesem Zweck verschiedene physiologische Merkmale gemessen. Unter der „Standardableitung“ (Garskadon, 1980) versteht man dabei die Aufzeichnung von Gehirnaktivität (Elektroenzephalogramm, EEG), Augenbewegung (Elektrookulogramm, EOG) und Tonus der Körpermuskulatur (Elektromyogramm, EMG). Abbildung 1 verdeutlicht die Messpunkte einer Standardableitung.


Abbildung 1 EEG-, EOG- und EMG-Stromkurven geben Aufschluss über den Schlaf. Das Elektroenzephalogramm ist die Aufzeichnung von elektrischen Hirnströmen, das Elektrookulogramm von elektrischen Strömen, die durch Augenbewegungen entstehen, und das Elektromyogramm von Strömen, die die Muskelspannung widerspiegeln (vgl. Borbèly, 1998).

Die entscheidende Rolle spielen die verschiedenen Frequenzen, die sich im Elektroenzephalogramm zeigen, wobei folgende Kurvencharakteristika unterschieden werden (vgl. Niedermeyer, 1987a, 1987b):

  • Delta-Aktivität (unter 3,5 Hz, für gewöhnlich 0,1-3,5 Hz) entsteht im Tiefschlaf. Sie wird auf dem gesamten Kopfbereich gemessen.
  • Theta-Aktivität (4-7,5 Hz) wird hauptsächlich bei Kindern gemessen, aber auch bei Erwachsenen während des Schlafes. Ihr Ursprung wird im Thalamus vermutet.
  • Alpha-Aktivität (8-13 Hz) entsteht während entspannter Wachsamkeit und bei geschlossenen Augen mit den größten Amplituden über dem hinteren Kopfbereich.
  • Beta-Aktivität (größer als 13 Hz, für gewöhnlich 14-40 Hz) wird am deutlichsten über dem seitlichen und dem vorderen Kopfbereich gemessen. Sie entsteht bei mentaler Aktivität.
  • Spindeln (11-15 Hz) werden nach dem Einschlafen gemessen. Sie sind von kurzer Dauer (ca. 1 Sekunde). Ihr Ursprung liegt im vorderen Gehirnbereich.
  • K-Komplex besteht aus einer scharfen, großen Amplitude und einer anschließenden spindelähnlichen Verlaufsform. Der Ursprung liegt über dem zentralen und dem vorderen Gehirnbereich.

Neben diesen Standardmessungen können je nach Untersuchung noch weitere physiologische Merkmale aufgezeichnet werden (Atmung, Puls usw.). Die Aufzeichnungen erfolgen meist über eine ganze Nacht. Betrachtet man die aufgezeichneten Kurven, so stellt man fest, dass sich ihr Aussehen mehrmals im fortschreitenden Schlaf verändert. Anhand dieser Veränderungen kann man den Schlaf in verschiedene Stadien unterteilen. Die Identifikation von verschiedenen Schlafstadien richtet sich dabei nach speziellen Kriterien, die erstmals von Loomis, Harvey and Hobart (1937, nach Borbèly, 1998) vorgeschlagen wurden. Eine heute immer noch gültige Einteilung liefern Rechtschaffen und Kales (1968; Übersicht bei Lavie, 1997). Sie unterscheiden dabei den Schlaf in vier NREM-Stadien und ein REM-Stadium. REM ist die Abkürzung für Rapid-Eye-Movement. Dieses Stadium ist von schnellen Augenbewegungen begleitet. Das "`N"' (Non) bei den anderen Stadien bezeichnet das Fehlen der schnellen Augenbewegungen. Jede dieser Phasen zeichnet sich durch charakteristische Kurvenmerkmale aus. In der Abbildung 2 sind die entsprechenden Kurven abgebildet.


Abbildung 2 Die Schlafstadien werden anhand von Stromkurven bestimmt, die vom Gehirn, den Augen und den Muskeln abgeleitet werden. Mit zunehmender Vertiefung des NREM-Schlafes (von Stadium 1 bis Stadium 4) werden die Hirnstromkurven größer und langsamer, wobei die Muskelspannung der Skelettmuskulatur abnimmt (vgl. Borbèly, 1998).

Im NREM-Stadium 1, das auch als Einschlafstadium bezeichnet wird, kann man ein Nachlassen der Alpha-Aktivität im EEG, leichte Abnahme des Muskeltonus im EMG und langsame, rollende Augenbewegungen im EOG beobachten. Das NREM-Stadium 2 ist gekennzeichnet durch das Auftreten von K-Komplexen und Spindeln. Dieses Stadium wird als „eigentlicher Schlaf“ bezeichnet (Schredl, 1999, S. 10). In den NREM-Stadien 3 und 4 treten vor allem Delta-Wellen auf. Der Schlaf ist in diesen Stadien sehr tief, die Muskeln sind erschlafft, und die Herz- und Atemfrequenz ist langsam und regelmäßig. Man bezeichnet diese Stadien auch als Tiefschlafphase. Der REM-Schlaf ist, wie oben bereits erwähnt, durch das Auftreten schneller Augenbewegungen gekennzeichnet. Ein zweites charakteristisches Merkmal dieses Stadiums kann man im EEG ablesen. Die Hirnstromwellen ähneln verblüffend denen des NREM-Stadium 1, also denen eines leichten Schlafes. Im Gegensatz zum Stadium 1 ist der Schlaf im REM-Stadium jedoch in der Regel viel tiefer. Dieser Umstand hat dem REM-Schlaf einen seiner vielen Namen gegeben – paradoxer Schlaf (Lavie, 1997, S. 41). Das dritte Merkmal, das den REM-Schlaf auszeichnet, ist ein völliges Fehlen des Muskeltonus. Diese Muskelatonie wird aktiv durch Zentren im Hirnstamm herbeigeführt.

Zeichnet man die Stromkurven der drei physiologischen Parameter über die gesamte Nacht hinweg auf, so wird man feststellen, dass NREM-Schlaf und REM-Schlaf in Abständen von ca. 90 Minuten zyklisch aufeinander folgen. Tiefschlaf (Stadium 3 und 4) tritt häufig nur in den ersten beiden Zyklen auf. REM-Schlaf-Episoden werden in der zweiten Hälfte der Nacht typischerweise länger. Pro Nacht durchschläft man je nach Schlafdauer bis zu sechs dieser Zyklen. Üblicherweise wird der Verlauf der Schlaftiefe in einem Hypnogramm (Schlafprofil) dargestellt, wie es in Abbildung 3 zu sehen ist.


Abbildung 3 Das idealisiert dargestellte Schlafprofil einer ganzen Nacht. Nach dem Einschlafen gelangt man über Stadium 2 in den Tiefschlaf (Stadium 3 und 4). Nach etwas mehr als einer Stunde tritt die erste REM-Schlaf-Episode auf (vgl. Borbèly, 1998).

Die REM-Phase ist nicht nur durch die eben genannten paradoxen physiologischen Merkmale bekannt geworden, sondern vor allem dadurch, dass sie in enger Verbindung mit Träumen zu stehen scheint. Weckt man Versuchspersonen gezielt aus dem REM-Stadium auf und fragt sie unmittelbar nach dem Erwachen, was ihnen davor durch den Kopf gegangen ist, werden sich 80 bis 85% der Befragten an einen lebhaften Traum erinnern. Im Gegensatz dazu werden Versuchspersonen, die aus NREM-Stadien geweckt werden, zu einem viel geringeren Prozentsatz von einem Traum berichten können (Lavie, 1997, S. 92). Der REM-Schlaf scheint also ein direktes Korrelat für die Träume darzustellen. Seit den ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen dieser Beobachtung vor gut 50 Jahren wurde diese Schlussfolgerung jedoch immer wieder stark kritisiert, vor allem deswegen, weil Versuchspersonen auch aus anderen Schlafstadien einen Traumbericht erstatten konnten. Zwar waren diese in der Regel kürzer und nicht so detailgetreu, aber eine Gleichsetzung von REM-Schlaf und Traumschlaf wollten einige Wissenschaftler nicht mehr akzeptieren (vgl. z.B. Antrobus, 1983). Stattdessen wurden diese Beobachtungen von einigen Forschern als Beweis dafür gewertet, dass das Gehirn in allen Stadien des Schlafens und Wachens kognitiv tätig ist (vgl. Lavie, 1997, S. 96). Es scheint, als ob REM-Schlaf (physiologische Ebene) und Träume (psychische Ebene) zwei verschiedene Ebenen darstellen, die nur zum Teil Entsprechungen und/oder ähnliche Funktionen aufweisen (Schredl, 1999, S. 7).

Nichtsdestoweniger gibt es einige Argumente dafür, ausschließlich die REM-Schlaf-Erlebnisse als Träume zu bezeichnen. In Untersuchungen, in denen Berichte aus dem REM-Schlaf und dem Schlafstadium 2 verglichen wurden, zeigte sich, dass sie sich in ihrem Wesen stark unterschieden. Schilderungen von Versuchspersonen, die aus einem anderen Schlaf als dem REM-Schlaf erwachten, beziehen sich in der Regel auf Fragmente von Gedanken und Ideen. Dagegen zeichneten sich die Berichte aus dem REM-Schlaf in der Regel durch die Entwicklung einer Handlung und ein Übermaß an Details und Gefühlen aus (Lavie, 1997, S. 95). Ein weiterer Grund für die qualitative Unterscheidung ist, dass während der REM-Phase der Körper des Träumenden komplett gelähmt ist. In einem bemerkenswerten Experiment an Katzen ist es Michel Jouvet (1994) gelungen, den für die Muskelatonie verantwortlichen Bereich im Stammhirn durch gezielte Läsion zu zerstören. Dieser Eingriff führte dazu, dass man „den ganzen Reichtum des Traumverhaltens zu Gesicht bekommt“ (Jouvet, 1994, S. 78). Nachdem eine Katze so präpariert in den paradoxen Schlaf eingetreten war, zeigte sie sichtbare Verhaltensweisen, die sehr wahrscheinlich dem Traumverhalten folgten:

Die Katze scheint mit Kopf und Augen einem imaginären, vor ihr im Raum sich bewegenden
Gegenstand zu folgen. Aber das Tier sieht nicht im eigentlichen Sinne. Man kann sich 
dieser Form von „Blindheit“ vergewissern, indem man es auf verschiedene Weise reizt 
[z.B. durch Futter]: Keine dieser Reizungen verursacht eine Verfolgungsreaktion. 
(Jouvet, 1994, S. 78)

Das Ausagieren der Träume (Oneirismus) ist auch beim Menschen bekannt: unter Schlafstörungen findet man das Schenck-Syndrom (Sturm & Clarenbach, 1997, S. 120). Bei diesem Phänomen weicht die normalerweise beobachtete elektromyograpische Lähmung (Atonie) im REM-Schlaf zeitweise einer motorischen Aktivität, die mit dem Trauminhalt zu tun hat, z.B. Rennen oder Stoßen. Im Gegensatz dazu findet das Schlafwandeln (Somnambulismus) hauptsächlich im Schlafstadium 3 oder 4 statt. Oft „wandeln“ die Betroffenen nicht, sondern richten sich nur auf und zupfen am Betttuch. Das Wandeln kann unter Umständen gefährlich werden, denn die sprichwörtliche Sicherheit des Schlafwandlers gibt es nicht. Für die Handlungen besteht eine weitgehende Amnesie (Sturm & Clarenbach, 1997, S. 103).

Diese Beobachtungen sprechen dafür, dass das Erleben eines Traumes während der REM-Phase von einer ganz anderen Qualität ist als eventuelle kognitive Aktivitäten während der anderen Schlafstadien. Während man im Wachzustand über eine Bewegung nachdenken kann, ohne sie tatsächlich auszuführen, scheint es im REM-Schlaf so zu sein, dass diese Bewegung in der Traumwelt tatsächlich „stattfindet“. Im Stammhirn bewirkt allerdings eine Neuronengruppe mit ihrer Aktivität eine Haltungsatonie durch Hemmung der Motoneuronen des Rückenmarks (Jouvet, 1994, S. 75). Dieser Umstand „hindert“ einen daran, den phänomenal erlebten Geschehnissen des Traumes tatsächlich nachzugehen. Auch dieser Mechanismus, der ausschließlich im REM-Schlaf anzutreffen ist, spricht dafür, dass es sich während der verschiedenen Schlafstadien um zwei grundsätzlich verschiedene kortikale Prozesse handelt – eben um die lebhaften Träume im REM-Schlaf und die hiervon zu unterscheidenden kognitiven Aktivitäten während der NREM-Stadien. Um der skizzierten Debatte aus dem Weg zu gehen, benutzen viele Autoren den Begriff der NREM-Träume und REM-Träume und verweisen damit auf die bereits oben angesprochene Ebenenunterscheidung von physiologischen und psychologischen Vorgängen während der Nacht (Strauch, 1999, S. 554).

Klarträume entsprechen in ihrem Erscheinen den oben beschriebenen REM-Träumen. Deshalb werden im Folgenden auch nur noch die REM-Träume von Interesse sein. Dies gilt auch dann, wenn man nach der soeben geführten Diskussion eine eher quantitative Unterscheidung zwischen NREM- und REM-Träumen favorisieren sollte. Schlagend wird an dieser Stelle das methodische Argument, dass während der NREM-Phasen durch die fehlende Muskelatonie eine bewusste Manipulation der Resultate von Traumstudien nur im REM-Stadium auszuschließen sind. Und da viele Forscher dem Phänomen des Klarträumens sehr skeptisch gegenüberstehen, ist man gezwungen, bei Untersuchungen von Klarträumen im Schlaflabor den Nachweis zu erbringen, dass sich die Versuchspersonen auch wirklich im REM-Stadium befunden haben. Dazu müssen alle drei physiologischen Kriterien des REM-Schlafes erfüllt sein.

Zusammenfassend kann man sagen, dass jeder normale Mensch mehrere Zyklen von Schlafstadien pro Nacht durchläuft. Das REM-Stadium scheint dabei eng mit lebhaften Träumen in Zusammenhang zu stehen. Geht man davon aus, das der REM-Schlaf gleichbedeutend mit Traumschlaf ist – und das legen die oben aufgeführten Befunde nahe – dann kann man sagen, dass jeder Mensch ungefähr 90 Minuten pro Nacht träumt. Für die Erforschung der Klarträume ist das Vorliegen der drei physiologischen Merkmale des REM-Schlafes Voraussetzung: die aufgezeichneten Hirnwellen zeigen dieselbe Charakteristik des Schlafstadium 1 im EEG, schnelle Augenbewegung im EOG und keine Aktivität im EMG (Muskelatonie).


Empirische Befunde der Klartraumforschung

As I wandered through a high-vaulted corridor deep within a mighty citadel, I paused to 
admire the magnificent architecture. Somehow the contemplation of these majestic 
surroundings stimulated the realization that I was dreaming! In the light of my 
lucid consciousness, the already impressive splendor of the castle appeared even more
of a marvel, and with great excitement I began to explore the imaginary reality of my
“castle in the air”. Walking down the hall, I could feel the cold hardness of the stones
beneath my feet and hear the echo of my steps. Every element of this enchanting spectacle
seemed real – in spite of the fact that I remained perfectly aware it was all a dream!
(LaBerge, 1985, S. 1)

Dieses Beispiel von Stephen LaBerge spiegelt alles wieder, was einen Klartraum auszeichnet. In einem Klartraum oder luziden Traum [2] ist sich der Träumende der Tatsache bewusst, dass er träumt. Durch diese Kenntnis erlebt er seinen Traum, während das Traumgeschehen fortschreitet. Er kann auf die Traumhandlung Einfluss nehmen und die Geschehnisse manipulieren, genau so, wie er die Vorgänge im wachen Zustand beeinflussen kann. „Man fühlt sich in solchen Träumen im Besitz seiner normalen Verstandes- und Willensfunktionen und hat dabei eine klare Erinnerung an das Wachleben. Es gibt Klarträume, die sich im Hinblick auf die Erscheinungsweise von Körper-Ich und Umgebung überhaupt nicht von der Wachwirklichkeit unterscheiden“ (Tholey, 1980a, S. 175). Celia Green und Charles McCreery (1998) definieren den Klartraum folgendermaßen:

Luzide Träume sind solche, bei denen der Träumende sich bewußt wird, daß er träumt. Indem
er das erkennt, verändert sich der Charakter des Traumes und hält solange an, wie der
Träumende sich seines Zustandes bewußt bleibt. Ein luzider Traum unterscheidet sich in
mehrfacher Hinsicht von einem gewöhnlichen: Er kann außerordentlich realistisch sein und
dem Träumenden eine äußerst überzeugende Nachbildung seines wachen Daseins bieten; seine
emotionale Tonlage ist oftmals positiv, manchmal bis hinauf zu einer ausgesprochenen
Hochstimmung. (S. 13)

Die Paradoxie, dass man während des Schlafes „wach“ sein kann, scheint für die meisten Menschen einen solchen Widerspruch darzustellen, dass sie das Klarträumen schlicht ignorieren. Auch die Wissenschaft stand diesem Phänomen lange Zeit mit großer Skepsis gegenüber. Frühere Erfahrungsberichte wurden von den physiologisch orientierten Forschern belächelt, da sie diese Erlebnisse als „Mikro-Wachepisoden“ im Verlauf des Schlafes ansahen (Schredl, 1999, S. 124). Nur so ist es zu erklären, dass die Klarträume eine so lange Zeit unbeachtet geblieben sind. Erst Ende der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts begannen Forscher damit, den Klartraum im Labor nachzuweisen. Keith Hearne und Stephen LaBerge gelang es – völlig unabhängig voneinander und ungefähr zur gleichen Zeit –, den Beweis zu erbringen, dass es sich beim Klarträumen um ein tatsächliches Phänomen handelt (Überblick bei LaBerge, 1985). Beide folgten derselben Logik: Wenn der Träumer in seinem Traum tatsächlich bei vollem Bewusstsein ist, sollte es ihm möglich sein, dies auf irgendeine Art und Weise der Außenwelt mitzuteilen. Das Problem dabei besteht darin, dass – wie wir bereits wissen – der Körper während der REM-Phase vollkommen gelähmt und von daher unfähig ist, irgendwelche Informationen zu übermitteln. Die Muskellähmung des Körpers kennt jedoch ganz offensichtlich eine Ausnahme: Die Augen sind während des REM-Schlafes uneingeschränkt beweglich, denn schließlich haben die schnellen Augenbewegungen dieser Schlafphase ihren Namen gegeben. Befunde aus der Schlaf- und Traumforschung ließen darüber hinaus vermuten, dass die aufgezeichnete Augenbewegung während des REM-Schlafes in Verbindung mit der Blickbewegung im Traum steht (Lavie, 1997, S. 114). Würde man nun einen Klarträumer instruieren, eine vorher vereinbarte Augenbewegung während seines Traums durchzuführen, und könnte man dieses Blickverhalten im EOG wiederfinden, wäre ein Beweis dafür geliefert, dass es sich beim Klartraum um ein Phänomen handelt, das sich experimentellen Zugriffen nicht entzieht. Beide Forscher kamen bei der Anwendung dieser Strategie im Schlaflabor zu den gleichen positiven Ergebnissen: Deutlich waren in ihren Schlafaufzeichnungen die vorher genau vereinbarten Augenmuster wiederzufinden (LaBerge, 1990a, S. 114).

Inzwischen ist eine Vielzahl solcher Experimente durchgeführt worden, und es besteht kein Zweifel, dass es für einen Menschen auf diese Weise möglich ist, aus seinen Träumen heraus mit der Außenwelt zu „kommunizieren“. Üblicherweise geht man bei solchen Untersuchungen folgendermaßen vor: Ein genau definiertes Augenbewegungsmuster (z.B. eine deutliche LRLR-Augenbewegung für links – rechts – links – rechts) dient als Information darüber, dass der Träumende erkannt hat, dass er träumt, mit einer bestimmten Aufgabe in seinen Träumen anfängt oder mit ihr aufhört. In den Abbildungen 4 und 5 ist ein Ausschnitt aus einer Schlafaufzeichnung zu sehen.



Abbildung 4 EEG, EOG und EMG Aufzeichnungen einer REM-Phase. Es sind drei der 29 Kanäle des EEGs abgebildet. Das EOG ist in horizontale und vertikale Augenbewegung aufgeteilt. Das EMG wurde am Kinn des Probanden abgeleitet. Die schnellen Augenbewegungen des Träumenden sind gut zu erkennen (eigene, unveröffentlichte Aufzeichnungen, Stanford University, 1999).




Abbildung 5 Der selbe Traum im luziden Zustand. Drei deutliche LRLR Augenbewegungen heben sich aus dem horizontalen EOG ab. Ausschläge nach oben entsprechen einer Augenbewegung nach links. Ausschläge nach unten entsprechen einer Augenbewegung nach rechts (eigene, unveröffentlichte Aufzeichnung, Stanford University, 1999).

In Abbildung 4 befindet sich der Proband deutlich in einer REM-Phase, wie man an der Aufzeichnung der Gehirnwellen, der Augenbewegungen und des Muskeltonus leicht erkennen kann. Die gleiche Aufzeichnung desselben Traums, jedoch zu einem etwas späteren Zeitpunkt, ist in Abbildung 5 zu sehen. Inzwischen hat der Träumer erkannt, dass er sich in einem Traum befindet. Im EOG für die horizontale Augenbewegung der Aufzeichnung sieht man deutlich drei hervorstechende LRLR-Signale. Mit der ersten LRLR-Augenbewegung markiert er seinen Zustand in der Aufzeichnung. Die nachfolgende LRLR-Augenbewegung signalisiert, dass der Träumer mit einer Aufgabe begonnen hat. Das dritte Signal bedeutet das Ende der Aufgabe. In diesem Fall war es die Aufgabe der Versuchsperson, in seinem Traumgeschehen seine rechte Hand während des Intervalls zu öffnen und zu schließen (Erlacher, 1999).

Die Möglichkeit, dass man Klarträumern gezielt Aufgaben stellen kann, welche sie im Traum durchführen können, eröffnete der Schlaf- und Traumforschung ganz neue Perspektiven. So konnte die Klartraumforschung einige bis dahin ungelöste Rätsel des Traums lösen. Unter anderem konnte nachgewiesen werden, dass physiologische Merkmale (z.B. Atmung, Puls) einer träumenden Person durchaus von dem im Traum befindlichen Ich beeinflusst werden können. Die umfangreichsten Studien über die Zusammenhänge physiologischer Merkmale und Inhalte des Klartraums wurden von Stephen LaBerge (1985) durchgeführt. Mit dem dargestellten Untersuchungsdesign konnte er u.a. zeigen, dass Veränderungen der Atmung, des Pulses und der sexuellen Erregung am schlafenden Körper vom Traum-Ich herbeigeführt werden können. Durch die Möglichkeit der bewussten Augenbewegungen konnte er darüber hinaus nachweisen, dass die verstrichene Zeit im Traum mit der realen Zeit übereinstimmt. Dazu instruierte er Probanden, im Klartraum eine LRLR-Augenbewegung zu tätigen, bis zehn zu zählen und dann wieder eine LRLR-Augenbewegung durchzuführen. Das geschätzte Zeitintervall stimmte mit einem geschätzten Zeitintervall aus dem Wachen überein. Eine umfassende Übersicht zu diesen und anderen Untersuchungen findet sich bei LaBerge (1985), Gackenbach und LaBerge (1988) und Schredl (1999).

Fassen wir diesen Abschnitt kurz zusammen. Klarträume sind bewusste, erlebnisreiche Träume. Sie lassen sich im Schlaflabor wissenschaftlich mit vorher verabredeten Augenbewegungen im REM-Schlaf nachweisen. Dies ist möglich, weil die Augen von der Muskellähmung der REM-Phase ausgenommen sind. In verschiedenen Untersuchungen wurde u.a. gezeigt, dass physiologische Merkmale des schlafenden Körpers (wie z.B. Atmung und Puls) durch das Traum-Ich beeinflusst werden können, und dass die geschätzte Zeit in einem Klartraum mit der Schätzung aus dem Wachen übereinstimmt.

Erlernen von Klarträumen

Das Klarträumen tritt normalerweise sehr selten auf. Nur etwa 26% der Befragten einer repräsentativen Umfrage kennen das Phänomen Klartraum (nach Stepansky in Schredl, 1999), und auch bei diesen treten Klarträume nur wenige Male im Jahr spontan auf. Diese Befunde hören sich zunächst entmutigend an, wenn der Klartraum zum Trainieren motorischer Fertigkeiten genutzt werden soll, denn nur vereinzelte Klarträume wären keine besonders gute Basis für eine solche Trainingsform. Allerdings gibt es verschiedene Methoden, die das Auftreten von Klarträumen deutlich steigern können. Zusätzlich scheint es, dass die Fähigkeit zum Klarträumen in jedem Menschen vorhanden ist. LaBerge war es möglich, durch Übung mehrere Male pro Nacht einen Klartraum zu erleben (LaBerge, 1980, S. 1040). Wenn also ein Sportler die Trainingsmöglichkeit im Klartraum nutzen möchte, so gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Klarträumen zu erlernen. Die diesem Zweck hilfreichen Lerntechniken lassen sich dabei grob in drei Klassen unterteilen (Schredl, 1999, S. 125):

  1. Klarheit gewinnende Techniken
  2. Klarheit bewahrende Techniken
  3. Einsatz von externen Reizen

Mittels der „Klarheit gewinnenden Techniken“ versucht der Träumende, während des Traumgeschehens zu erkennen, dass es sich um einen Traum handelt, und erhält durch diese Erkenntnis („Ah! Das ist ein Traum“) das Bewusstsein im Traumzustand. Versucht man dagegen, während des Einschlafens das Wachbewusstsein aufrechtzuerhalten und auf diese Weise unmittelbar vom Wachzustand in den Klartraumzustand zu gelangen, spricht man von „Klarheit bewahrenden Techniken“ (Tholey, 1981, S. 21). Seit einigen Jahren wird auch mit Feedbackgeräten versucht, über externe Signale dem Träumenden mitzuteilen, dass er sich in einem Traumzustand befindet, um ihm dadurch die nötige Information zu bieten, das Bewusstsein im Traum zu gewinnen. Für alle drei Richtungen gibt es inzwischen viele Varianten. Im Folgenden werden drei Erfolg versprechende Techniken näher vorgestellt.

Bei der Reflexionstechnik (Tholey, 1982) handelt es sich um eine „Klarheit gewinnende Technik“. Prinzipiell versucht man dabei, eine kritisch-reflektierende Einstellung im Alltag aufzubauen, indem man sich mehrmals am Tag die Frage stellt, ob man wach ist oder träumt. Diese Einstellung überträgt sich irgendwann auch auf den Traum. Tholey gibt drei Faktoren an, welche für die Herbeiführung von Klarträumen mit Hilfe der kritischen Frage verantwortlich zu sein scheinen: der Faktor der Häufigkeit, der Faktor der zeitlichen Nähe und der Faktor der Ähnlichkeit. Dies bedeutet, dass man zur Herbeiführung von Klarträumen, „die kritische Frage 1. möglichst häufig, 2. möglichst noch kurz vor dem Einschlafen und 3. möglichst in solchen Zuständen oder Situationen stellen soll, die eine große Ähnlichkeit mit Traumerlebnissen besitzen“ (Tholey, 1980a, S. 21). Beim mir selbst führte die Anwendung der Reflexionstechnik nach drei Wochen zu folgendem Traumerlebnis: Traumbeispiel: Ich spielte in der Küche Basketball mit anderen, mir fremden Personen, bis es mir sehr eigentümlich vorkam, dass man in unserer Küche Basketball spielen kann. Dieser Gedanke reichte aus, um das Bewusstsein in diesem Traum zu erlangen. (unveröffentlichtes Material des Autors)

Im Gegensatz dazu bietet Stephen LaBerge eine andere Methode einer „Klarheit gewinnenden Technik“ an. In der von ihm entwickelten „Mnemotic Induction of Lucid Dreams“-Technik (MILD) empfiehlt er, nach dem Erwachen aus einem Traum wesentliche Aspekte der Traumszenerie („dreamsigns“; LaBerge, 1990) im Kopf zu behalten und an diese Aspekte das Vorhaben zu koppeln, das Bewusstsein im nächsten Traum wiederzuerlangen (LaBerge, 1985). Hilfreiche „dreamsigns“ sind vor allem bizarre Elemente des Traums, die im Widerspruch zur Wachwelt stehen, wie z.B. ein fliegender Elefant oder das weiter oben genannte Basketballspiel in der Küche. Mit der MILD-Technik ist es möglich, sehr gezielt Klarträume zu erleben. Deshalb wird diese Technik auch bei der Klartraumforschung im Schlaflabor angewendet. Dem Versuchsleiter ist es dabei möglich, anhand der Standardableitung (vgl. 2.1) den Schlafenden aus einer REM-Phase zu wecken. Die Versuchsperson kann in der Regel nach dem Erwachen einen Traum berichten. Die „dreamsigns“ des Traumberichts werden dann für die MILD-Technik verwendet. Dabei kann man die Prozedur mehrmals in der Nacht wiederholen. Die Erfolgsquoten liegen dabei aus eigener Erfahrung bei über 50%, d.h. mit Hilfe der MILD-Technik konnte in jeder zweiten Nacht im Schlaflabor ein Klartraum aufgezeichnet werden. Um gezielt Klarträume zu Hause zu erleben, bietet sich schließlich der NOVA-Dreamer (Stephen LaBerge, Lucidity Institute, Inc.) an. Dieses Feedbackgerät (siehe Abbildung 6) ähnelt einer Schlafmaske.



Abbildung 6 Einsatz von externen Techniken zum Induzieren von Klarträumen: Der NOVA-Dreamer kann mit einem Sensor die Augenbewegung aufzeichnen. In einer REM-Phase beginnen zwei Leuchtdioden zu blinken. Die Lichtsignale können vom Träumenden als Traumhinweise interpretiert werden.

Der NOVA-Dreamer ist jedoch zusätzlich mit einem Sensor und zwei Leuchtdioden ausgestattet. Der Sensor in der Maske registriert die Bewegungen über dem Auge. Wenn schnelle Augenbewegungen (REM-Schlaf) beginnen, fangen zwei Leuchtdioden in der Maske an zu blinken. Diese Lichtimpulse können in verschiedensten Formen im Traum auftauchen. Der Träumende hat nun die Möglichkeit, diese Impulse zu erkennen und so zu deuten, dass er sich gerade in einem Traum befindet. Untersuchungen zeigen, dass der NOVA-Dreamer die Anzahl der Klarträume deutlich steigern kann (vgl. LaBerge et al., 1988; LaBerge & Levitan, 1995). Für den Sportler, der ein gezieltes Training im Klartraum anstrebt, bietet dieses Feedbackgerät die ideale Möglichkeit, Klarträume zu erleben. Hierin ist lediglich ein gewisses Ausmaß an Geduld mitzubringen.

In diesem Abschnitt wurde beschrieben, dass das Klarträumen grundsätzlich von jedem interessierten Menschen erlernt werden kann. Durch gezielte Übung kann man pro Nacht mehrere Klarträume erleben. Neben der Reflexionstechnik und der MILD-Technik bieten vor allem Feedbackgeräte wie der NOVA-Dreamer geeignete Möglichkeiten, um Klarträume zu erleben.

Wissenschafts- und erkenntnistheoretische Überlegungen

Erkenntnistheoretische Annahmen bestimmen in entscheidender Weise die wissenschaftstheoretische und damit auch die methodologische Position eines Forschers, die gerade dort, wo es um die Untersuchung menschlichen Handelns geht, in hohem Maße dafür verantwortlich ist, was man erforscht, wie man etwas erforscht und auf welche Weise man die Forschungsergebnisse interpretiert. (Tholey, 1980b, S. 7)

Aufgrund dieser grundsätzlich hinterfragenden Haltung hat sich Tholey um eine erkenntnistheoretische Begründung der Traumforschung im allgemeinen und der Klartraumforschung im speziellen bemüht. Die von ihm geführte Argumentation mag am folgenden Gedankengang deutlich werden: Da sich Klarträume teilweise „im Hinblick auf die Erscheinungsweise von Körper-Ich und Umgebung überhaupt nicht von der Wachwirklichkeit“ unterscheiden (Tholey, 1980a, S. 175), stellt sich die Frage, welches Körper-Ich sich bewegt und in welcher Wirklichkeit sich dieses Körper-Ich befindet – denn der träumende Körper liegt ja schlafend im Bett. Bei der Beantwortung der gestellten Fragen mag man sich entweder auf die Suche nach esoterischen, nicht-wissenschaftlichen Antworten begeben oder der Versuchung erliegen, das Phänomen Traum völlig zu ignorieren. Um sich gegenüber solchen mythologischen und naiven Auffassungen abzugrenzen, bedarf es einer fundierten erkenntnistheoretischen Grundlage. Die Gestaltpsychologie, deren Ursprünge auf Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Koffka zurückgehen, bietet ein solches komplexes Theoriensystem (Tholey, 1988, S. 178). Die Gestaltpsychologie geht von der Annahme aus, dass alles naiv Gegebene Inhalt eines möglichen Bewusstseins und demzufolge Phänomen oder Erscheinung ist. Dies bringt ein Aussage von Köhler (1933) sehr erhellend zum Ausdruck: … und daß dann die „objektive“ Welt, die mir bisher so selbstverständlich als unabhängig vorhanden erschienen war, in Wirklichkeit auf Grund höchst verwickelter, in meinem Nervensystem verlaufender Prozesse zustande kommt. Jene physischen Gegenstände veranlassen also diese Prozesse im Organismus; aber gerade deshalb ist es ganz unstatthaft, das Endergebnis, anschauliche „Dinge“, ihre Änderung und Bewegungen, wie ich sie unmittelbar konstatiere, mit denjenigen physischen Gegenständen und Änderungen zu identifizieren, von denen solche Einflüsse ausgehen. Wenn, krass formuliert, ein Lichtfleck auf dem Boden nicht die Sonne ist, von der das Licht herstammt, dann ist auch ein anschauliches, gesehenes und getastetes „Ding“ nicht mit dem korrespondierenden physischen Gegenstand identisch. (S. 14)

Der erkenntnistheoretische Ansatz, der in Köhlers Zitat zum Ausdruck kommt, wurzelt dabei im kritischen Realismus. Tholey – selbst ein Schüler der Gestaltpsychologie – lehnt sich bei seinen erkenntnistheoretischen Begründungen daher stark an den kritischen Realismus an. Innerhalb des kritischen Realismus wird streng zwischen einer phänomenalen und einer transphänomenalen Welt unterschieden. Dabei zählt man zur anschaulichen, phänomenalen Welt die gesamte vorgefundene Welt, einschließlich der als objektiv erscheinenden Gegenstände und Personen. Unter der physikalischen, transphänomenalen Welt versteht man hingegen die gesamte erlebnisjenseitige Wirklichkeit. Der erkenntnistheoretische Ansatz der Gestaltpsychologie wurde vor allem auf dem Gebiet der Wahrnehmung vorangetrieben. Die Nützlichkeit dieser Trennung lässt sich daher am einfachsten am Beispiel der Gegenstandswahrnehmung beschreiben:

Werden von einem bestimmten physikalischen Objekt Lichtstrahlen ausgesandt oder reflektiert, die auf die Netzhaut des Auges fallen, leiten die erregten Sinneszellen über afferente Nervenbahnen die Erregung an einen räumlich nicht festgelegten Bereich der Großhirnrinde, das sogenannten Psycho-physische Niveau (PPN), weiter. Im PPN sind die dort stattfindenden physischen Prozesse zugleich psychisch bzw. „bewusstseinsfähig“. Neben der physikalischen Umgebung wird auch der eigene physische Körper aufgrund seiner inneren Sinnesorgane im PPN repräsentiert. Die phänomenale Welt gliedert sich also in die wahrgenommene Umgebung und das wahrgenommene Körper-Ich und bildet so ein mehr oder weniger getreues Abbild des physischen Organismus und seiner physischen Umgebung (siehe Abbildung 7)



Abbildung 7 Vereinfachtes Modell der Wahrnehmung und Motorik aus kritisch-realistischer Sicht. Die Wahrnehmungswelt sowie das wahrgenommene Körper-Ich befinden sich im PPN eines Organismus (aus Tholey, 1980b, S. 10).

Dabei ist der Abbildungscharakter des Körper-Ichs sowie der Gegenstände und Personen erlebnismäßig nicht gegeben, sondern sie erscheinen als objektiv (vgl. Tholey, 1980b). Der Abbildungsbegriff ist somit nur in einem sehr weiten Sinn zu verstehen, da sich wahrgenommene und physische Welt doch erheblich unterscheiden. Diese Diskrepanzen lassen sich besonders an den sogenannten Wahrnehmungstäuschungen veranschaulichen. So erscheinen z.B. bei der Müller-Lyer-Täuschung zwei gleichlange Linien einer Figur in der Wahrnehmung als unterschiedlich lang und bei der Täuschung von Zöllner die parallelen Linien als nicht parallel (siehe Abbildung 8; vgl. Goldstein, 1997).



Abbildung 8 (a) Müller-Lyer-Täuschung: Welche der horizontalen Linien ist länger? (b) Die Täuschung von Zöllner: Sind die vertikalen Linien parallel? (vgl. Zimbardo, 1988/1995, S. 199). Aus kritisch-realistischer Sicht stellen Wahrnehmungstäuschungen kein Widerspruch dar (siehe Text).

Aus kritisch-realistischer Sicht stellt dies kein Widerspruch dar, weil sich die Strichlängen nur in der phänomenalen Welt unterscheiden. In der transphänomenalen Welt bleiben die Linien gleichlang. Im Gegensatz dazu können „naiv-realistische Sichtweisen“ (vgl. Tholey, 1986; z.B. Behaviorismus, ökologische Psychologie), in denen die Unterscheidung zwischen erlebter und physikalischer Welt nicht gemacht wird, Wahrnehmungstäuschungen nur unter komplizierten Zusatzannahmen erklärt werden, wie z.B. der Annahme, dass die Messinstrumente oder die gemessenen Objekte sich geändert haben (Tholey, 1986, S. 146; für einen ausführlichen Vergleich des kritischen Realismus mit anderen erkenntnistheoretischen Positionen vgl. Bischof, 1966).

Mit der erkenntnistheoretischen Position des kritischen Realismus ist es nun möglich zu erklären, „daß es im Schlaf zu Traumerlebnissen kommt, die den Wacherlebnissen sehr ähnlich sein können – dies gilt für Klarträume im ganz besonderen Maß“ (Tholey, 1980a, S. 177). Die im Traum erlebte Umgebung und das wahrgenommen Körper-Ich sind als ausschließlich phänomenale Erlebnisvorgänge zu verstehen. Der Ursprung der Traumwelt ist dabei in den PPN-Prozessen des Großhirnbereichs zu suchen, die den Prozessen des Wachzustandes sehr ähnlich sind. Damit ist auch geklärt, warum es zur so genannten „Außenlage der Träume“ (Metzger, 1975, S. 286) kommt, d.h. dass die im Traum angetroffenen Ereignisse außerhalb des eigenen erlebten Körpers stattfinden, obwohl die physiologischen Grundlagen dieser Erscheinungen eigentlich im Gehirn zu suchen sind. Wie im Wachen ist auch im Traum die phänomenale Erlebniswirklichkeit die einzig erfahrbare, der Unterschied besteht lediglich darin, dass die im Traum angetroffene phänomenale Wirklichkeit kein momentanes Abbild der transphänomenalen Welt bietet, sondern eine mehr oder weniger zufällig erregte Welt durch entsprechende Aktivitäten im PPN. Da man im Traumzustand nicht an physikalische Gesetzmäßigkeiten gebunden ist, kann es deshalb auch zu bizarren Handlungen wie z.B. dem Fliegen kommen.

Die Fruchtbarkeit des kritisch-realistischen Ansatzes der Gestalttheorie im Hinblick auf die Erörterung des Klartraumphänomens soll abschließend noch einmal in Gegenüberstellung zu den Positionen verdeutlicht werden, die zu Beginn dieses Abschnitts als „naiv-realistisch“ bzw. „mythologisch“ gekennzeichnet wurden. Aus dem Angebot der wissenschaftlichen Theorien ist an dieser Stelle vor allem auf den Behaviorismus (z.B. Skinner, 1974) sowie die ökologische Psychologie hinzuweisen (z.B. Reed, 1996). Vertreter der erstgenannten Richtung betrachten interne Repräsentationen als methodisch unzugänglich, solche der zweitgenannten Richtung lehnen interne Repräsentationen aus ganz grundsätzlichen Erwägungen heraus ab. Die Zweifel richten sich dabei vor allem darauf, dass die Auswirkungen mentaler Repräsentation auf das menschliche Handeln nicht befriedigend erklärt werden könnten. Mit der Repräsentationsannahme findet daher nur eine Problemverschiebung in das Innere des Menschen statt, die jedoch zu keinem befriedigenden Erkenntnisgewinn führt (vgl. Reed, 1996). Die zweite zu Beginn dieses Abschnitts genannte Alternative für die Erklärung von Klarträumphänomenen besteht darin, diese mythologisch einzuordnen. Vor allem in Naturvölkern ist es auf diese Weise sehr verbreitet, Träume als Botschaften von guten und bösen Geistern aus anderen Welten anzusehen. Innerhalb der westlichen esoterischen Literatur kann man von „Astralreisen“ lesen sowie von „außerkörperlichen Erfahrungen“, wobei angenommen wird, dass der Astralleib im Traum den Körper verlässt, um fremde Welten zu besuchen (vgl. z.B. die Erlebnisberichte von Zurfluh [3], 2001; Beyer & Wessel, 1987). Wie sind solche Ansätze zu bewerten, wenn es um die wissenschaftliche Abschätzung der Möglichkeiten geht, im Klartraum motorische Fertigkeiten zu trainieren? Die Antwort auf diese Frage sollte auf der Hand liegen: Wissenschaftliche Positionen, die die Existenz mentaler Repräsentationen verleugnen – und damit u.a. die oben aufgeführten Ergebnisse der Klartraumforschung ignorieren –, erweisen sich als theoretische Grundlage für das hier angezielte Vorhaben als schlichtweg ungeeignet. Auf der anderen Seite bilden mythologisch inspirierte Ansätze Traumphänomene zwar hinreichend ab, dies jedoch unter Rückgriff auf – wenig sparsame – Vernebelungen, die sich ganz grundsätzlich dem wissenschaftlichen Zugriff entziehen. In beiden Fällen ist also der hier favorisierten kritisch-realistischen Position der Vorzug einzuräumen, um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Traumphänomenen zu gewährleisten.

In diesem Abschnitt wurde die erkenntnistheoretische Position des kritischen Realismus der Gestaltpsychologie eingeführt. Der Ansatz unterscheidet dabei strikt zwischen einer phänomenal-erlebten und einer physikalischen Welt. Mit dieser Unterscheidung grenzt er sich gegenüber naiv-realistischen Ansätzen ab, die entweder das Träumen als untersuchbaren Gegenstand aus der Wissenschaft ausklammern oder das Traumphänomen als metaphysisches Ereignis auffassen, das grundsätzlich nicht wissenschaftlich erfassbar erscheint. Aus der Sicht des kritischen Realismus werden Träume als kortikale Prozesse aufgefasst, die im PPN, dem psycho-physischem Niveau, zu Erregungen führen, die denen des Wachlebens gleichen. Dadurch kommt es zu der phänomenalen Erlebniswelt, in der es durchaus möglich ist, sich mit seinem phänomenalen Traum-Ich innerhalb der phänomenalen Traum-Umgebung zu bewegen.

Fassen wir das zweite Kapitel noch einmal zusammen. Nach den vier Abschnitten sollte das Phänomen des Klartraums so weit verstanden worden sein, dass es sich um REM-Träume handelt, in denen das phänomenal erlebte Traum-Ich seinen Zustand des Träumens reflektiert und daraufhin die Geschehnisse im Traum willkürlich verändern kann. Mit Hilfe der aufgezeichneten Augenbewegungen im EOG kann der Klarträumer der Außenwelt mitteilen, dass er gerade träumt. Beim Klarträumen handelt es sich um eine erlernbare Fertigkeit, so dass es sich grundsätzlich als Methode für den Erwerb und die Optimierung motorischer Fertigkeiten anbietet. Im Bezug auf die eingangs gestellte Frage können wir also resümieren, dass es prinzipiell jedem Menschen möglich ist, Klarträume zu nutzen, um darin sportliche Übungen auszuführen. Dass es sich dabei um eine nicht zu verachtende Trainingszeit handelt, soll das folgende Rechenbeispiel verdeutlichen. Pro Nacht verbringt ein normaler Mensch ca. 90 Minuten im REM-Schlaf (vgl.2.1), diese Zeit steht dem versierten Klarträumer potentiell zur Verfügung, bewusst den Traum zu nutzen (vgl. 2.3). Addiert man die Zeiten auf, so ergeben sich pro Woche ca. 10 Stunden, pro Monat knapp 2 Tage und im Jahr ungefähr 3 Wochen REM-Schlaf – potentiell Zeit, die für das Klarträumen und somit für das Klartraumtraining genutzt werden könnte. Im nächsten Kapitel soll nun überlegt werden, ob sich ein solches Training auch positiv auf Bewegungen im Wachleben auswirken kann.


3 Motorisches Lernen im Klartraum

Of course you can quit! Quit anything you want, if you change your mind about doing it You can quit breathing if you want to. - Donald Shimoda

Nachdem im Kapitel 2 das Klartraumphänomen eingehend beschrieben wurde, wird in diesem Kapitel der Blick auf motorische Lernprozesse gelenkt. Es wird also die zweite eingangs gestellte Frage im Mittelpunkt findet, nämlich die, ob Transfereffekte von einem Klartraumtraining auf das Wachleben zu erwarten sind. Um sich dieser Problematik anzunähern, werden zunächst grundsätzliche Aspekte des motorischen Lernens (3.1) erörtert. Dabei werden unter der Fülle der motorischen Kontroll- und Lerntheorien die Informationsverarbeitungsansätze (IVA) angesprochen. Die Idee der zentral gespeicherten Bewegungsrepräsentationen, die im Rahmen der IVA diskutiert werden, spielen ebenfalls beim mentalen Training eine große Rolle. Auf diese besondere Art des motorischen Lernens wird im nachfolgenden Abschnitt eingegangen (3.2). Dort wird auch die theoretische Grundlage diskutiert, wie sich das mentale Training auf die Bewegungsoptimierung auswirken kann. Von diesem Ausgangspunkt wird dann die Möglichkeit erörtert, wie im Klartraumtraining motorische Fertigkeiten verbessert werden können (3.3). Dabei werden zunächst Ähnlichkeiten zwischen dem Training im Klartraum und dem mentalen Training herausgestellt, anschließend werden jedoch auch zwei wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Trainingsformen hervorzuheben sein, wobei sich darin sogar ein wesentlicher Vorteil des Klartraumtrainings abzeichnen könnte. Abschließend werden bisherige Untersuchungen zu diesem Thema vorgestellt (3.4).


3.1 Motorisches Lernen Motorisches Lernen bezeichnet den Aufbau (Erwerb), den Erhalt und die Veränderung von spezifischen, primär sensorischen und motorischen, aber auch kognitiven und emotionalen Strukturen und Funktionen sowie deren jeweilige Koordination hinsichtlich individueller Ziele sowie externer Umwelt- und Aufgabenanforderungen. (Mechling, 1992, S. 323)

Im Laufe des motorischen Lernens kommt es zur verbesserten Koordination der verschiedenen, an der Bewegung beteiligten Körperglieder. Subjektiv resultiert hieraus das Gefühl, dass die Bewegung „runder“ wird; von außen betrachtet sieht sie im fortschreitenden Lernprozess immer „flüssiger“ aus. Die Grundlage für eine verfeinerte Bewegungsausführung bietet das zielgerichtete Training. Während des Trainings werden Bewegungsabläufe wiederholt ausgeführt bis es zu einem Zustand kommt, mit dem Trainer und Trainierender mit der Qualität der Ausführung zufrieden sind.

Innerhalb der Sportwissenschaft richten sich die Forschungsfragen zum einen auf die intern ablaufende Prozesse, die das motorische Lernen ermöglichen, zum anderen auf die optimalen äußeren Bedingungen, unter denen das motorische Lernen zustande kommt. Diese beiden Fragenkomplexe werden auch als prozessorientierte und ergebnisorientierte Ansätze bezeichnet (Roth, 1987, S. 253). In beiden Bereichen ist es inzwischen zu einer fast unüberschaubaren Anzahl von Befunden und Theorien gekommen. Die Arbeiten zum ergebnisorientierten Ansatz, der eng mit der Trainingsplanung und Trainingsgestaltung in Verbindung steht, werden in diesem Beitrag ausgeklammert. Vor dem Hintergrund der zentralen Fragestellung sind die prozessorientierten Ansätze interessant. Aus der Fülle der motorischen Kontroll- und Lerntheorien sind die Informationsverarbeitungsansätze hervorzuheben. Der Ursprung dieser Ansätze ist in der aufkommenden Computertechnologie der 50er und 60er Jahre zu suchen. Die Gemeinsamkeiten der Informationsverarbeitungsmodelle beruhen auf der Annahme, dass interne, zentral gespeicherte Repräsentationen für das Zustandekommen von Bewegungen eine entscheidende Rolle spielen. Dagegen abzugrenzen sind jene Ansätze, die nicht von internen Repräsentationen als bewegungsbestimmende Instanzen ausgehen. Diese nehmen an, dass Bewegungen direkt über Informationen aus der Umwelt spezifiziert werden. Nach dieser Vorstellung sind Wahrnehmung und Verhalten unmittelbar gekoppelt und bedürfen keiner zentralen Verarbeitung (vgl. Turvey, 1977). Auf die zu diesem Gegensatz in der Bewegungswissenschaft geführte „motor-action controversy“ (siehe Meijer & Roth, 1988), wird hier kein Bezug genommen. Statt dessen soll der Fokus auf die Informationsverarbeitungsansätze gelenkt werden, weil die mentalen Repräsentationen, die innerhalb dieser Ansätze postuliert werden, der erkenntnistheoretischen Sichtweise des kritischen Realismus und damit den unter 2.4 genannten Vorzügen am nächsten stehen.

Um zu verdeutlichen, was die Informationsverarbeitungsansätze auszeichnet, wird im Folgenden kurz ein „Klassiker“, die Schematheorie von Richard A. Schmidt näher erläutert. Schmidt (1975/1990) geht davon aus, dass ein Sportler auf „Bewegungsentwürfe“ zurückgreift (Roth, 1998, S. 28). Diese Repräsentationen, die wegen der Computermetapher auch als motorische Programme bezeichnet werden, sollen im zentralen Nervensystem gespeichert vorliegen. Wird ein motorisches Programm aufgerufen, sendet dieses absteigende Impulse an die entsprechende Skelettmuskulatur. Dadurch kommt es zur raum-zeitlichen Bewegungsausführung durch die menschlichen Gliedmaßen. Um der unplausiblen Annahme entgegenzutreten, dass jeweils ein entsprechendes Programm für jede erdenkliche Bewegung existiert, führt Schmidt die Annahme ein, dass es generalisierte motorische Programme für eine ganze Klasse von Bewegungen gibt (z.B. für den Wurf). Diese generalisierten motorischen Programme bestehen aus invarianten Programmmerkmalen und variablen Parametern. Die Programminvarianten definieren sich als Sequenzierung, relative Zeiten und relative Kräfte der Bewegung. Die Ausführung des Programms wird durch die Programmparameter absolute Zeiten und absolute Kräfte spezifiziert. Durch die variablen Parameter kann auf diese Weise das Bewegungsprogramm schnell oder langsam sowie stark oder schwach ausgeführt werden (siehe Abbildung 9).


Abbildung 9 Invarianten und Parameterisierungen eines generalisierten motorischen Programms nach Schmidt (1975; nach Roth, 1990, S. 15).

Bei der Ausführung einer Bewegung werden die gewählten Parameter, das Bewegungsergebnis, die sensorischen Konsequenzen und die Ausgangsbedingungen in Form von abstrakten Schemaregeln abgespeichert. Dabei wird zwischen dem Wiedergabeschema und dem Wiedererkennungsschema unterschieden. Das Wiedergabeschema spezifiziert die Parameter bei Ausführungsbeginn. Dagegen stellt das Wiedererkennungsschema Sollwerte für die Korrektur von Bewegungen zur Verfügung. Das motorische Lernen entspricht auf der Basis dieser theoretischen Fassung erstens der Anneigung eines motorischen Programms, in dem die strukturellen, fertigkeitsspezifischen Invarianten festgeschrieben sind, nicht aber die variablen, austauschbaren Bewegungsparameter, und zweitens der Ausbildung von zugehörigen Schemata (vgl. Roth, 1998). Die Schematheorie von Schmidt wird zwar durch neuere, differenziertere Theorien immer stärker kritisiert (vgl. z.B. Roth & Hossner, 1999, S. 206-208), allerdings bleibt die Kernannahme der zentral gespeicherten Bewegungsmuster in allen Informationsverarbeitungsansätzen erhalten.

Zusammenfassend wurde das motorische Lernen in diesem Abschnitt als Erwerb und Optimierung von Bewegungsmustern gekennzeichnet. In der Sportwissenschaft sind ergebnis- und prozessorientierte Ansätze zu unterscheiden, wobei es bei ersteren um die optimalen Bedingungen für das motorische Lernen geht und bei zweiteren die Frage nach den internen Vorgängen des motorischen Lernens im Vordergrund steht. Ein „Klassiker“ unter den prozessorientierten Ansätzen bildet die Schematheorie von Schmidt (1975/1990). Sie zählt zu den Informationsverarbeitungsmodellen, die sich durch die Annahme zentral gespeicherter interner Repräsentationen von Bewegungen auszeichnet. Das motorische Lernen wird nach Schmidts Ansatz als Erwerb von (a) generalisierten motorischen Programmen und (b) zugehörigen Schemata verstanden.


3.2 Mentales Training

Beim mentalen Training werden sportmotorische Fertigkeiten nur gedanklich ausgeführt, also ohne tatsächliche Realisation. Die praktische Nutzbarkeit des mentalen Trainings in Situationen, in denen physische Übung nicht möglich ist (z.B. in der Rehabilitation; vgl. Herrmann \& Eberspächer, 1994), ist dabei sehr geschätzt. Da es bei dieser Trainingsform also zu keinen tatsächlichen Bewegungen kommt, ist es dem Training im Klartraum sehr nahe. Deshalb sind die Erkenntnisse der Sportwissenschaft über das mentale Training für das Klartraumtraining von besonderer Bedeutung. Während einer mentalen Trainingseinheit soll der Übende zunächst die zu trainierende Bewegung ausführlich beschreiben. Danach werden die Bewegungssequenzen in Knotenpunkte strukturiert. Diese werden dann durch Symbole belegt, welche der Sportler für sich gedanklich vertiefen soll. Dabei ist die Vorstellung der Bewegung in verschiedenen Perspektiven möglich (Abbildung 10) veranschaulicht einige Variationen; für eine ausführliche Anleitung zum mentalen Training siehe Eberspächer, 1995).



Abbildung 10 Die Abbildung zeigt die möglichen Perspektiven, die man beim mentalen Training einnehmen kann. 1) Innenperspektive 2) Außenperspektive 3) Außenperspektive von einem Modell.

Ein typisches Untersuchungsdesign, um die Effektivität des mentalen Trainings zu überprüfen, sieht folgendermaßen aus: Versuchsteilnehmer werden in drei Gruppen eingeteilt und sollen eine spezielle Fertigkeit erlernen (z.B. einen Basketballfreiwurf). Am Anfang und am Ende der Untersuchung werden die Leistungen in der untersuchten Fertigkeit bei jedem Teilnehmer gemessen (z.B. Trefferquote beim Freiwurf). In der Trainingsphase zwischen den beiden Testzeitpunkten soll die erste Gruppe physisch üben, die Versuchspersonen der zweiten Gruppe werden in der oben beschrieben Form instruiert, die Bewegung nur mental zu trainieren, wobei es verschiedene Perspektiven und Arten eines mentalen Trainings bestehen. Die dritte Gruppe schließlich dient als Kontrollgruppe, die während der Treatmentphase ohne Training verbleibt. Die Ergebnisse, wie sie sich z.B. schon bei Vandell, Davis und Clugston (1943) gezeigt haben, sind zum Teil verblüffend. Es zeigt sich mitunter, dass mentales Üben genauso effektiv sein kann wie physisches Üben (für eine Übersicht vgl. Heuer, 1985). Obwohl die Ergebnisse von weiteren Untersuchungen zum mentalen Training nicht immer solche eindeutigen Resultate erbrachten, kann man dennoch davon ausgehen, dass mentales Training eine positive Auswirkung auf Bewegungslernen hat (vgl. Feltz & Landers, 1983; Driskell, Copper & Moran, 1994).

Es stellt sich nun die Frage, wie dies möglich ist. Heuer bringt die Problematik auf den Punkt: „1. Mentale Übung kognitiver Fertigkeiten ist eigentlich kein erstaunliches Phänomen. 2. Das gleiche gilt für physische Übung motorischer Fertigkeiten. 3. Rätselhaft ist dagegen die mentale Übung motorischer Fertigkeiten.“ (Heuer, 1985, S. 193). Zur Lösung des Problems bezieht sich Heuer auf die Annahme, dass Repräsentationen von Bewegungsmustern auf unterschiedliche Art und Weise beschrieben werden können. Für geschlossene Fertigkeiten [4] wie z.B den Basketball-Freiwurf, bietet er vier Arten der Beschreibung auf (Heuer, 1985, S. 193)

  1. Die motorische Beschreibung spezifiziert das raum-zeitliche Muster efferenter Kommandos. Dies würde nach Schmidt (1975/1990) dem generalisierten motorischen Programm entsprechen.
  2. Die kinästhetische Beschreibung spezifiziert die kinästhetische Begleiterscheinungen des Bewegungsmusters, also das „Bewegungsgefühl“. Dies entspricht einer internalen Perspektive bei einer Bewegungsbeschreibung.
  3. Die räumlich-bildliche Beschreibung spezifiziert die raum-zeitliche Verlaufsmerkmale der Bewegung. Dies entspricht einer externalen Perspektive bei einer Bewegungsbeschreibung.
  4. Die symbolische oder sprachliche Beschreibung. Diese entspricht den verbalen oder schriftlichen Bewegungsanweisungen.

Die Möglichkeit, Bewegungsmuster auf unterschiedliche Arten zu beschreiben, impliziert die Möglichkeit, sie auch auf unterschiedliche Arten zu lernen. Die naheliegendste Art des motorischen Lernens ist dabei die in Abschnitt 3.1 besprochene Möglichkeit der physischen Übung eines motorischen Programms, denn diese Beschreibung stellt unmittelbar Muster absteigender Kommmandos zur Verfügung, die sich auf die Körpermuskulatur auswirken. Bildet man allerdings eine kinästhetische, räumlich-bildhafte oder symbolische Beschreibung aus, ist es zunächst fraglich, wie diese auf die motorischen Kommandos wirken können. Heuer nimmt hierzu an, dass zwischen den kinästhetischen, räumlich-bildhaften, symbolischen und den motorischen Beschreibungen immer dann eine Beziehung besteht, wenn bekannte Relationen zwischen ihnen vorkommen. Relationen (Kovariationen) könnten dabei in einem „Korrelationsspeicher“ oder in Form eines „Schemas“ gespeichert werden (Heuer, 1985, S. 194; vgl. Abbildung11).



Abbildung 11 Der Basketballwurf lässt sich auf wenigstens vier Arten beschreiben: die motorische, die kinästhetische, die räumlich-bildhafte und die symbolisch-sprachliche Beschreibung. Die kinästhetische Beschreibung entspricht einer Innensicht dem „Bewegungsgefühl“, und die räumlich-bildhafte Beschreibung einer Außensicht. Die Relationen zwischen den Beschreibungen werden in einem Schema gespeichert.

Die räumlich-bildhaften und symbolischen Beschreibungen haben den Vorteil, dass sie dem Trainierenden direkt mitgeteilt werden können. Hat dieser ein entsprechendes Schema für diese Beschreibung vorliegen, kann er z.B. die sprachliche Beschreibung "`Heben Sie Ihren rechten Arm!"' direkt in motorische Kommandos übersetzen und die Bewegung ausführen. Schwieriger wird es hingegen, wenn man folgende Anweisung durchführen müsste: Beispiel: Setzen Sie Ihren linken Fuß einen halben Schritt nach vorne und gehen dann mit dem rechten Fuß einen Schritt auf der Stelle. Bringen Sie den linken Fuß zurück in die Ausgangsposition. Kurze Pause. Nun den rechten Fuß einen halben Schritt nach hinten setzen und mit dem linken Fuß einen Schritt auf der Stelle gehen. Danach bringen Sie ihren rechten Fuß zurück in die Ausgangsposition. Kurze Pause – und von vorne.

Diese Bewegung kann man sich vorstellen, ohne sie tatsächlich auszuführen. Man könnte die Anweisung so lange durchlesen – mental trainieren –, bis man die Abfolge fehlerfrei im Kopf hat. Würde man dann die Bewegung ausüben, wäre zu erwarten, dass die Schrittfolge relativ fehlerfrei ist. Erhielte man zusätzlich die Information, dass es sich bei der oben beschriebenen Abfolge um den Salsa-Grundschritt handelt, hätte man zudem eine räumlich-bildhafte Repräsentation von der Bewegung zur Verfügung, die ebenfalls zur Verbesserung beitragen könnte. In der kognitiven Hypothese des mentalen Trainings wird angenommen, dass genau solche räumlich-bildhaften und symbolischen, also die eher kognitiven Aspekte mental trainiert werden können. Die Verbesserungen sind dann darauf zurückzuführen, dass die Relationen zwischen den sprachlichen, räumlich-bildhaften, kinästhetischen und motorischen Beschreibungen weitgehend bekannt sind. Wenn diese Relationen fehlen, spricht man von eher motorischen Aufgaben (z.B. Balancieren). Bei mentalem Training von eher motorischen Aufgaben fallen die Ergebnisse in der Regel schlechter aus (Ryan & Simons, 1981, S. 41).

Dass es trotzdem – wenn auch zu schwachen – Erfolgen beim mentalen Training von eher motorischen Aufgaben kommt, führt Heuer auf die Programmierungshypothese zurück. Demnach werden bei vorgestellten Bewegungen die motorischen Kommandos im zentralen Nervensystem bereitgestellt, aber nicht weitergeleitet. Die Studien von Roland, Larsen, Lassen und Skinhoj (1980) sprechen für diese These. Sie konnten nachweisen, dass kortikale Aktivitäten während mentaler Vorstellung einer Bewegung im supplementär-motorischen Areal [5] vorhanden sind, allerdings nicht im primär-motorischen Kortex. Führt die Versuchsperson die Bewegung tatsächlich aus, ist auch der primär-motorische Kortex aktiv. Anhand dieser Beobachtungen kann man argumentieren, dass es zu einer Programmierung der Bewegung im supplementaren Kortex kommt, bevor die Bewegung ausgeführt wird. Kommt es zur tatsächlichen Bewegung, dann werden die vorprogrammierten Impulse zum nachgeordneten motorischen Kortex übertragen und von dort über die absteigenden Nervenbahnen an die Skelettmuskulatur weitergeleitet. In diesem Sinne ist eine Bewegungsvorstellung eine Bewegung mit blockierten Endgliedern. Postuliert man, dass die wiederholte Ausführung oder Programmierung eines Bewegungsmuster mit der „Bahnung neuronaler Verbindungen“ einhergeht, so ist etwa eine zunehmende Geschwindigkeit und möglicherweise auch eine abnehmende Variabilität zu erwarten (Heuer, 1985, S. 197).

Zusammenfassend kann man sagen, dass beim mentalen Training Bewegungen nur in der Vorstellung trainiert werden. Dabei wird angenommen, dass es zur Ausbildung bzw. Verstärkung von Relationen zwischen motorischen, kinästhetischen, räumlich-zeitlichen und symbolischen Beschreibungen im sogenannten Schema kommt. Bei eher kognitiven Aufgaben sind diese Relationen bereits vorhanden. Motorisches Lernen wird dann als rein kognitves Lernen von symbolischen und räumlich-bildhaften Beschreibungen verstanden. Die Programmierungshypothese bietet eine mögliche Erklärung für das erfolgreiche mentale Trainieren von eher motorischen Aufgaben, bei denen die Relationen unbekannt sind. Dabei werden bei jeder Bewegungsvorstellung die motorischen Kommandos in einem speziellen Areal im Gehirn programmiert, die Impulse aber nur bei tatsächlicher Ausführung weitergeleitet.


3.3 Das Training im Klartraum

Das Training im Klartraum stellt in keiner Weise eine tradierte sportliche Trainingsmethode dar. Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Phänomen Klarträumen an sich relativ unbekannt ist. Allerdings ist es auch nicht völlig unbeachtet. Aus persönlichen Mitteilungen von Kommilitonen, die mit dem Klarträumen vertraut sind, geht hervor, dass diese gezielt im Klartraum motorische Fertigkeiten trainieren. Besonders vor praktischen Prüfungen nutzen diese Sportstudierenden das Klartraumtraining aus, um ihre Fertigkeiten zu verfeinern, sowie die Prüfungssituation zu üben. In der Klartraumliteratur lassen sich weitere Berichte über das Training im Klartraum finden. Das folgende Beispiel stammt von einem Kampfsportler, der nach jahrelangem Karate-Training zu einem anderen Kampfstil, dem Aikido, wechselte. Er stand vor dem Problem, lang einstudierte Bewegungsfolgen vom Karate in neue Aikidoelemente umzulernen:

An diesem Abend, nachdem ich im freien Training immer noch nicht in der Lage war, den Stockangreifer ohne Kontakt leerlaufen und „zu Fall bringen“ zu lassen, wie mein Trainer immer zu sagen pflegte, ging ich sehr mutlos zu Bett. Während des Einschlafens hatte ich immer wieder die Situation vor Augen, wie während der Abwehr die eigentlich richtige Ausweichbewegung mit meinem inneren Impuls zu einem harten Abwehrblock kollidierte, so daß ich letztlich immer wieder völig [sic!] ungeschützt und wie ein Fragezeichen dastand. Eine lächerliche und unwürdige Situation für einen Schwarzgurtträger. Während eines Traumes in dieser Nacht fiel ich einmal zu Boden und schlug hart auf, statt mich abzurollen. In dieser Situation, so hatte ich mir vorgenommen, wollte ich mir die kritische Frage stellen; das hatte ich während des Wachens schon oft eingeübt. Ich war sofort klar! Ohne lange nachzudenken, wußte ich sofort, was ich nun tun mußte: Ich ging sofort zu meinem Dojo, wo ich mit einem Traumpartner ein freies Training von Stockabwehrtechniken begann. Immer und immer wieder übte ich den Ablauf locker und anstrengungslos durch. Es ging mit jedem Mal besser. Am nächsten Abend ging ich voller Erwartungen zu Bett, erreichte auch wieder den Klartraumstatus und übte weiter. So ging es die ganze Woche, bis ich wieder zum Mittwochstraining kam. Obwohl ich ganz gespannt und aufgeregt war, verblüffte ich meinen Trainer mit einer fast perfekten Stockabwehr, und obwohl wir die Angriffsgeschwindigkeit immer weiter steigerten, bis zur realistischen Schnelligkeit und Impulsabgabe, machte ich keinen gravierenden Fehler mehr. Von da an lernte ich sehr schnell, und nach einem weiteren Jahr hatte ich selbst die Trainerlizenz erworben. (Tholey, 1997, S. 203)

Das Beispiel veranschaulicht, wie das Training im Klartraum aussehen kann. Dabei ist das Klartraumtraining mit dem Training im Wachen vergleichbar, weil der im Traum angetroffene Körper erlebnismäßig dem Körper gleicht, den man im Wachen erlebt (vgl. 2.4). Andererseits ist das Training im Klartraum als ein rein mentales Training aufzufassen, da sich der physikalische Körper nicht bewegt. Prinzipiell lassen sich von daher die Erkenntnisse aus dem mentalen Training auf das Training im Klartraum übertragen. Vor allem die kognitive Hypothese des mentalen Trainings könnte uneingeschränkt für das Training im Klartraum übernommen werden. Da sich der Klarträumende seines Zustandes bewusst ist, kann er während des Klartraums symbolisch-sprachliche Beschreibungen durchdenken und wiederholen, und ebenso ist es ihm möglich, räumlich-bildhafte Beschreibungen einer Bewegung zu visualisieren. Diese Annahmen werden durch Befunde von Tholey (1981) gestützt. In einer großangelegten Studie wurden Klarträumer bezüglich ihrer kognitiven Fertigkeiten sich im Klartraum etwas vorzustellen befragt. Im Hinblick auf die Vorstellungsprozesse konnten keinerlei Unterschiede zwischen Klartraum und Wachzustand festgestellt werden. Es war also den Klarträumern möglich, sich im Klartraum optische oder akustische Eindrücke ebenso gut zu vergegenwärtigen wie im Wachzustand (Tholey, 1981, S. 26).

Die Tatsache, dass eher kognitive Aufgaben auch im Klartraum geübt werden können, wäre für sich allein genommen noch nicht sehr beeindruckend. Interessant wird es hingegen dann, wenn wir die Unterschiede zwischen der mentalen Vorstellung und der phänomenal erlebten Traumwelt näher betrachten. Hier sind m.E. zwei wesentliche Unterschiede hervorzuheben, nämlich zum ersten die qualitativen Differenzen zwischen den subjektiven Erscheinungsweisen der beiden Vorgänge und zum zweiten die verschiedenartigen kortikalen Aktivitäten. Beide Punkte sollen im folgendem ausführlich behandelt werden. Zur Verdeutlichung des qualitativen Unterschieds zwischen mentalem Training und Training im Klartraum bietet es sich an, zunächst einmal zwischen Vorstellung und Wahrnehmung im Wachzustand zu differenzieren. Obwohl die Wahrnehmung und die Vorstellung einige Gemeinsamkeiten aufweisen, ist dabei herauszustellen, dass die Vorstellung der Wahrnehmung nachgeordnet ist. In der alltäglichen und allgemeinpsychologischen Auffassung rangiert dabei der Wahrheitsgehalt einer Wahrnehmung deutlich über dem einer Erinnerungsvorstellung (Hildebrandt, 1994, S. 172). Dies lässt sich leicht an der Gegenstandswahrnehmung verdeutlichen. Stellt man sich z.B. einen Apfel vor, der vor einem liegt, dann können die meisten Menschen den Apfel tatsächlich „sehen“: seine Form, seine Farbe oder die Position auf dem Tisch. Man kann sich vorstellen, wie er riechen und wohl schmecken würde, wenn man hineinbiss. Nichtsdestoweniger: Wenn man den vorgestellten Apfel neben einen realen Apfel projizieren würde, gäbe es keinen Zweifel, welchen Apfel man tatsächlich essen könnte (LaBerge, 1990a, S. 185).

In Abschnitt 2.4 wurde – aufbauend auf dem kritische Realismus – argumentiert, dass die phänomenal erlebte Welt die tatsächliche Welt für den Menschen abbildet. Weiterhin wurde festgestellt, dass in einem Klartraum die Traumwelt und das Traum-Ich denen der phänomenal erlebten Welt entsprechen, mit dem Unterschied, dass die vorgefundene Traumwelt allein auf kortikalen Aktivitäten im PPN basiert. Daraus folgt, dass das wahrgenommene Körper-Ich und die wahrgenommene Umwelt in einem Traum den Wacherlebnissen viel näher steht als jede Vorstellung – phänomenal sind sie identisch. Während man auf diese Weise bei der Vorstellung nicht auf den imaginären Apfel „hereinfällt“, kann man in einem Traum einen Apfel aufheben und ihn essen, und es wird sich so anfühlen, als ob man wirklich einen Apfel essen würde. Wenn man sich allerdings in einem Klartraum befindet, hat man durchaus die Möglichkeit zu erkennen, dass der Apfel, obwohl er so aussieht, kein wirklicher Apfel ist – er wird nämlich nicht meinen tatsächlichen Magen füllen. Jedoch mindert diese Erkenntnis nicht die Lebhaftigkeit dieser Erfahrung.

Die Übertragung des Apfelbeispiels auf den Bereich der motorischen Kontrolle im Sport wird in den Abbildungen 12 und 13 veranschaulicht. Im Wachen kann ich auf einem Sportplatz einen Basketballfreiwurf real oder allein in meiner Vorstellung üben (vgl. Abbildung 10, Abschnitt 3.2).



Abbildung 12 In Anlehnung an das Modell von Tholey (1980) werden die unterschiedlichen Perspektiven bei der Wahrnehmung anhand des Basketballfreiwurfs erläutert. Im Wachzustand basieren die Geschehnisse der Wahrnehmungswelt auf Ereignissen in der physikalischen Welt.

Ich werde dabei allerdings mit meinem Körper immer den physikalischen Umweltbedingungen ausgesetzt bleiben, d.h. die Vorstellung findet allein in der phänomenal erlebten Welt statt (vgl. Abbildung 12). Im Klartraum allerdings ist die Verbindung zur trans-phänomenalen Welt nahezu aufgelöst, so dass man aus einer phänomenalen Innenperspektive heraus das Freiwurftraining durchführen kann und gleichzeitig den erlebten Körper als frei beweglich empfindet (vgl. Abbildung 13). Das qualitative Erleben des Trainings im Klartraum ist aus dieser Perspektive den mentalen Vorstellung im Wachen definitiv überzuordnen.



Abbildung 13 Im Traumzustand basieren die Erlebnisse in der Wahrnehmungswelt auf kortikalen Aktivitäten im PPN. Dem Klarträumer ist es möglich, aus einer phänomenalen erlebten Innenperspektive heraus das Freiwurftraining durchzuführen.

Der zweite Unterschied zwischen mentalem Training und Training im Klartraum ist eher hypothetischer Art und bezieht sich auf die physiologischen Vorgänge im Gehirn. Wie in Abschnitt 3.2 dargelegt wurde, werden Bewegungsvorstellungen im supplementär-motorischen Areal programmiert. Erst wenn die Ausführung der Bewegung stattfindet, werden weitere kortikale Areale aktiviert. Anders verhält es sich im Traum. Die in Abschnitt 2.1 dargestellten Untersuchungen von Michel Jouvet (1994) haben ergeben, dass die Blockade der absteigenden motorischen Neuronen erst im Stammhirn aktiv gehemmt werden – also kurz vor dem Rückenmark. Folgt man der Programmierungshypothese von Heuer (vgl. 3.2), würde dies bedeuten, dass die postulierte Bahnung der neuronalen Verbindungen im Kortex während des Trainings im Klartraum sehr viel umfangreicher ausfallen könnte. Dass die globale Gehirnaktivität während des Traums der des Wachens gleicht, lässt dabei schon durch das rohe Elektroenzephalogramm während der REM-Phase vermuten (vgl. 2.1). LaBerge (1982) konnte diese Vermutungen weiter stärken. Dazu instruierte er Klarträumer, während des Klartraums entweder zu singen oder zu zählen. Die beiden Aufgaben haben zur Folge, dass eher die linke bzw. eher die rechte Hemisphäre des Gehirns aktiv ist. Die Ergebnisse zeigen, dass im Klartraum dieselben hemisphärenspezifischen Aktivierungen im EEG zu finden sind, wie während des Wachzustandes.

Diese Beobachtungen münden in die plausible Hypothese, dass sich Bewegungen im Klartraum und im Wachen auf kortikalem Niveau entsprechen. Die dabei stattfindende neuronale Programmierung bezieht sich also auf den gesamten Kortex und nicht – wie im mentalen Training – nur auf bestimmte Teilbereiche. Es ist daher zu erwarten, dass die Programmierung von Bewegungen während des Trainings im Klartraum umfangreicher ausfällt als beim mentalen Training und ein Klartraumtraining mithin aus Effiktivitätsgründen zu bevorzugen ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Training im Klartraum insofern dem mentalem Training gleicht, als dass sich der physikalische Körper nicht bewegt. Die kognitive Hypothese des mentalen Trainings lässt sich daher uneingeschränkt auf das Klartraumtraining übertragen. Allerdings sind in zwei wesentlichen Punkten Unterschiede zwischen dem Training im Klartraum und dem mentalen Training auszumachen. Der qualitative Unterschied bezieht sich auf die Unterscheidung von Wahrnehmung und Vorstellung, wobei die Vorstellung der Wahrnehmung in ihrer Klarheit eindeutig nachzuordnen ist. Da die phänomenal erlebte Welt im Wachen und im Traum identisch sind, ist das qualitative Erleben des Trainings im Klartraum den Vorstellung im Wachen definitiv überzuordnen. Der zweite Unterschied bezieht sich auf die kortikalen Aktivitäten. Es kann begründet angenommen werden, dass die neuronale Bahnung während des Trainings im Klartraum deutlich überlegen ausfällt, da die Blockade der motorischen Nervenbahnen erst kurz vor dem Rückenmark stattfindet und nicht – wie beim mentalen Training – auf Kortexniveau.


3.4 Bisherige Befunde zum Training im Klartraum

Frühe Untersuchungen zum motorischen Lernen im Klartraum von Tholey, der Pionierarbeit bei der Erforschung von Klarträumen und ihrem Bezug zum Sport geleistet hat, zeigten, dass es Klarträumern durchaus möglich war, verschiedene Arten von sportlichen Aktivitäten in ihren Klarträumen durchzuführen. Es wurde gezeigt, dass komplexe Bewegungen, wie z.B. das Skilaufen oder Turnen, die auch schon im Wachzustand sicher beherrscht wurden, im Klartraum meist ohne Schwierigkeiten durchzuführen waren (Tholey, 1981). Die Bewegungen wurden als in sich stimmig, leicht und locker erlebt und waren meist von einem angenehmen Gefühle begleitet. Darüber hinaus berichteten sämtliche Teilnehmer über deutliche Übungseffekte bei ihren Bewegungshandlungen im Traum sowie über positive Auswirkungen im Hinblick auf ihr sportliches Können im Wachzustand. Insbesondere führten rasche aufeinanderfolgende Drehungen um die Körperlängs- und -querachse zur Verbesserung des „Lage- und Bewegungsgefühls“ bei unterschiedlichen Sportarten(Tholey, 1981, S. 40).

Über diese Einzelfallberichte hinaus liegen m.W. keinerlei Untersuchungen vor, die sich speziell mit dem Training im Klartraum auseinandersetzen. Insbesondere mangelt es an experimentellen Gruppenvergleichen, die eine inferenzstatistische Absicherung von Lerneffekten ermöglichen würden. Dieser Mangel ist m.E. vor allem darauf zurückzuführen, dass die Ergebnisse der Klartraumforschung in der „scientific community“ noch nahezu unbeachtet blieben. LaBerge – in Hauptvertreter der Klartraumforschung – hatte Anfang der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts große Schwierigkeiten, dass seine Forschungsergebnisse in der Wissenschaftswelt angenommen und anerkannt wurden. Er berichtet davon, dass renommierte Zeitschriften wie „Science“ oder „Nature“ sich weigerten, seine Forschungsarbeiten zu veröffentlichen. „Wissenschaft“ scheint als Forschungsgemeinschaft eher konservativ zu sein und Widerstand gegen neue, ungewöhnliche Theorien zu leisten. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen, seit es LaBerge gelungen ist, die Mitglieder der APSS (Association for the Psychophysiological Study of Sleep) davon zu überzeugen, dass es das Klartraumphänomen wirklich gibt (Beyer & Wessel, 1987, S. 45). Dass der „Boom“ in der Klartraumforschung dennoch ausgeblieben ist, vermag nicht zuletzt für anwendungsorientierte Disziplinen – wie z.B. die Sportwissenschaft – zu überraschen. Denn dass die Erkenntnisse der Klartraumforschung – in theoretischer wie auch in praktischer Hinsicht – von großem Nutzen sein könnten, scheint mir nach all dem Gesagten auf der Hand zu liegen.

In diesem letzten Abschnitt wurden die Untersuchungsergebnisse zum Training im Klartraum von Tholey (1981) dargestellt. Sie stellen derzeit die einzigen Resultate dar, die sich explizit auf motorische Lernprozesse im Klartraum beziehen. Die positiven Befunde, nach denen Klarträumer in ihren Träumen sportliche Fertigkeiten trainieren konnten und es zu subjektiven Verbesserungen im Traum wie im Wachleben kam, lassen es lohnenswert erscheinen, Untersuchungen in diesem Bereich auch zukünftig weiterzuführen.

Zusammenfassend wurde im dritten Kapitel zunächst das motorische Lernen als Erwerb und Optimierung von Bewegungsmustern gekennzeichnet. Nach der Schematheorie betrifft dies den Erwerb generalisierter motorischer Programme samt assoziierter Schemata. Beim mentalen Training werden Bewegungen nur in der Vorstellung trainiert. Nach der kognitiven Hypothese werden dabei Lerneffekte auf verbesserte räumlich-bildhafte und symbolische Beschreibungen zurückgeführt, nach der Programmierungshypothese hingegen neuronale Programmierungen auf Kortexniveau postuliert, die sich positiv auf die motorischen Anteile einer Aufgabe auswirken. Zum Training im Klartraum wurde zunächst festgestellt, dass die kognitive Hypothese des mentalen Training uneingeschränkt übernommen werden kann. Da jedoch die Vorstellung eindeutig der Wahrnehmung nachzuordnen ist und die phänomenal erlebte Welt im Wachen und im Traum identisch ist, ist das qualitative Erleben des Trainings im Klartraum den mentalen Vorstellung im Wachen auf jeden Fall überzuordnen. Darüber hinaus ist das Klartraumtraining dem mentalen Training vorzuziehen, weil begründet angenommen werden kann, dass die neuronale Bahnung während des Trainings im Klartraum deutlich überlegen ausfällt. Zum Schluss wurden Befunde von Tholey vorgestellt, der bei Versuchspersonen subjektiv erlebte Verbesserungen des motorischen Lernens durch ein Klartraumtraining feststellen konnte.

Die angestellten Überlegungen lassen hoffen, dass die Klartraumforschung wichtige Resultate für den Sport zu Tage fördern könnte. Gleichzeitig ist die Arbeit hiermit an eine unsichtbare Grenze gestoßen, an der theoretische Überlegungen dem Tatbestand nichts mehr hinzufügen könnten. Der nächste Schritt verlangt förmlich nach empirischer Bestätigung der aufgeführten Vermutungen. Es gilt also, den Weg von der Theorie zur Empirie fortzusetzen.


4 Randbedingungen empirischer Klartraumforschung

Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl glücklich fühlte und nichts wußte von Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. - Schmetterlingstraum des Dschuang Dschou

Nachdem im ersten Teil der Arbeit gezeigt wurde, dass sich das Klartraumtraining als neue Trainingsform im Sportbereich bewähren könnte, soll nun im zweiten Teil der Arbeit die Brücke von der Theorie zur Empirie geschlagen werden. Es gilt also, einen Weg zu finden, die im ersten Teil aufgestellten Vermutungen zu überprüfen. Bei einer ersten empirische Annäherung an ein Forschungsfeld sollte man zunächst im Vorfeld nach „Besonderheiten“ des Untersuchungsgegenstandes suchen. Bei der Durchsicht der bisherigen Literatur zur Klartraumforschung kristallisieren sich Schwierigkeiten heraus, von denen die Sportwissenschaft in experimenteller Sicht auf den ersten Blick eher weniger betroffen ist, deshalb werden in diesem Kapitel zunächst Randbedingungen der empirischer Klartraumforschung dargestellt. Dieser weitere theoretische Rekurs betrifft jetzt allerdings die konkrete Forschungsrealisation.

Im ersten Abschnitt werden dazu die Besonderheiten der Traumforschung herauszuarbeiten sein (4.1). Die Traumforschung ist mit dem Problem konfrontiert, dass sich der eigentliche Untersuchungsgegenstand – der Traum – während der Untersuchung nicht unmittelbar zeigt. Dem Traumbericht als Datenerhebungsmethode wird von daher eine große Bedeutung zugeschrieben. Die Methode der Traumerhebung wird deshalb näher erläutert. Im nächsten Abschnitt wird auf das methodische Vorgehen der experimentellen Phänomenologie eingegangen (4.2). Dabei werden die „experimentelle“ Methode und die „phänomenologische“ Methode nicht als gegensätzliche wissenschaftliche Werkzeuge verstanden, sondern als sich ergänzende Untersuchungseinheiten. Aus gestaltpsychologischer Sicht sind die Traumberichte als Phänomenberichte aufzufassen, deshalb werden Aspekte der phänomenologischen Methode besonderes hervorzuheben zu sein. Im folgenden Abschnitt werden methodische Schritte der Klartraumforschung genauer dargestellt (4.3) und zuletzt sollen aus den bisherigen theoretischen Darstellungen differenziertere Fragestellungen für die weitere empirische Arbeit abgeleitet werden (4.4).


4.1 Traumforschung und Traumerhebung

„Das bewußte Erleben unserer Sinneswahrnehmungen ist das vertrauteste und zugleich rätselhafteste Geschehen überhaupt“ (Chalmers, 1996, S. 40). Die „Rätselhaftigkeit“ auf der einen Seite ergibt sich unter anderem aus der Frage, welche Funktion das subjektive „Erleben“ für den Menschen überhaupt erfüllt [6]. Die „Vertrautheit“ des bewussten Erlebens auf der anderen Seite wurzelt darin, dass dieses Geschehen sich prinzipiell nur aus der subjektiven Perspektive der ersten Person erschließt, d.h. es ist nur derjenigen Person direkt zugänglich, die das Geschehen erlebt bzw. erlebt hat – einer dritten Person bleibt es für immer verschlossen. Für einen naturwissenschaftlichen Ansatz, der prinzipiell einer Perspektive der dritten Person folgt, ergibt sich daraus, dass er keinen direkten Zugang zum subjektiven Erleben finden wird. Für Michael Pauen (1999) liegt dabei das Problem nicht darin, dass der empirisch-analytische Zugang unvollständig oder unzulänglich wäre, sondern darin, dass das subjektive Erleben gar kein Gegenstand der Naturwissenschaft ist. Mit dieser Problematik sind Bewusstseinsforscher aus den verschiedensten Disziplinen konfrontiert. Die angeführten „sonderbaren“ Gegebenheiten haben auch für die Klartraumforschung Konsequenzen, weil die Erlebnisse während eines Klartraums, wie in Kapitel 2.4 beschrieben wurde, als rein phänomenal aufzufassen sind. Nochmals: Es ist der heutigen Technik nicht möglich, bewusstes Erleben in irgendeiner Art und Weise aufzuzeichnen. Es gibt also keinen „Rekorder“, um einen Traum festzuhalten. Dies bedeutet jedoch gleichzeitig, dass der eigentliche Forschungsgegenstand – nämlich das Traumgeschehen – sich in den Untersuchungen zum Träumen dem Forscher nicht unmittelbar zeigen wird. Dass man den Traum dennoch zum Untersuchungsgegenstand erheben kann, hat die Geschichte der Traumforschung gezeigt. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Träumen lassen sich mindestens drei große Strömungen unterscheiden (Schredl, 1999, S. 7):

  1. die Psychoanalyse
  2. die Neurophysiologie
  3. die psychologisch orientierte Traumforschung

Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hatte Sigmund Freud – mit dem bereits erwähnten Klassiker „Die Traumdeutung“ – den Startschuss dazu gegeben, den Traum als Untersuchungsgegenstand in die Wissenschaft aufzunehmen. Seit Freud wird der Traum als Ausdruck des Innenlebens eines Menschen verstanden. Die Traumberichte seiner Patienten und die eigenen spielten dabei eine große Rolle, um seine Theorie der Traumdeutung zu entwickeln. Dabei unterschied Freud zwischen den so genannten manifesten Trauminhalte, die sich während einer Sitzung mit einem Patienten oberflächlich offenbaren, und den latenten Trauminhalten, denen sein eigentliches Interesse galt. Die letztgenannten Trauminhalte waren seiner Ansicht nach die verborgenen Bedeutungen des Traums hinter den explizit geschilderten Bildern des Traumberichts. Sie stellten für Freud den Zugang zum Unterbewusstsein eines Menschen dar. Sie mussten „gedeutet“ werden, um die Botschaft des Traumes und somit die geheimen Wünsche des Patienten zu entschlüsseln (Freud, 1900/1999). In dieser knappen Darstellung von Freuds Arbeit mit Träumen offenbart sich schon das wesentliche Mittel der damaligen und heutigen Traumforschung – der Traumbericht einer Person. Es zeigt sich, dass der Bericht über einen Traum von der Erinnerung des Patienten abhängt. Ob die latenten Trauminhalte tatsächlich als „Königsweg zum Unbewussten“ aufgefasst werden können, mag man dabei kontrovers diskutieren. Es sollte jedenfalls deutlich geworden sein, dass sich aus der Sicht der Psychoanalyse im Traumbericht des Patienten nur ein Bruchteil des Trauminhaltes zeigt und es der zusätzlichen Deutung des Analytikers bedarf, um den gesamten Traum zu verstehen.

In der physiologischen Traumforschung, deren Geburtsstunde mit der Entdeckung des REM-Schlafes durch Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman im Jahre 1953 einhergeht (vgl. 2.1), bedient man sich ebenfalls des Traumberichtes. Zwar wird ihm dort kein analytischer Wert entgegengebracht, dennoch dient er als Bestätigung dafür, dass ein Traum tatsächlich stattgefunden hat. In späteren Experimenten versuchte man, mit Hilfe des Traumberichts physiologische Korrelate für das Traumgeschehen selbst zu finden. Das berichtete Erleben des Träumers spielte bei diesen Untersuchungen wieder eine größere Rolle Strauch, 1999, S. 554). Schließlich findet der Traumbericht seine Bedeutung auch in der psychologischen Traumforschung. Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird das Träumen hier als Bewusstseinsphänomen aufgefasst. Die kognitiven Aktivitäten während des Schlafes werden dabei als ganzheitliches Erleben (Gedanken, Gefühle, Wahrnehmung) entsprechend dem Wachzustand aufgefasst. Die Trauminhaltsanalyse ist dabei die grundlegende Methode der psychologischen Traumforschung. Das wichtigste Ziel der Inhaltsanalyse ist es, über bestimmte Traumaspekte (z.B. Angsterleben im Traum) Aussagen zu treffen. Dabei werden anhand von inhaltsanalytischen Skalen die Traumberichte von verschiedenen Versuchspersonen quantifiziert, um nachfolgend statistische Analysen durchführen zu können. Die Trauminhaltsanalyse hat also den Vorteil, dass statistische Verfahren angewendet werden können, etwa für Gruppenvergleiche, zur Analyse langer Traumserien und für Korrelationsstudien zwischen Trauminhalten und psychometrisch erfassten Wachmerkmalen (Schredl, 1999, S. 37). Allerdings wird durch die Anwendung spezifischer Skalen nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtmaterial eines Traums betrachtet, es findet also ein beträchtlicher Informationsverlust statt. Das Einzigartige von Träumen einer Person kann nicht erfasst werden.

Da der Traumbericht eine so zentrale Rolle in der Traumforschung spielt, stellt sich die Frage nach der Methode der Traumerhebung. Grundsätzlich sollte man sich bei allen Erhebungsarten darüber bewusst sein, dass der Traumbericht eine Erinnerung über das ist, was vor dem Aufwachen während des Schlafes gedacht, erlebt oder gesehen wurde. Auf diesen Prozess können viele Einflüsse wirksam werden, welche die Untersuchungsergebnisse verzerren können. Michael Schredl (1999, S. 39) benennt folgende Faktoren:

  1. Erfassungsart (Erzählen, Aufschreiben, Zeichnen)
  2. Einfluss von Instruktionen
  3. Sozialpsychologische Aspekte
  4. Auswahl der Versuchspersonen
  5. Auswahl der Träume

Zunächst hat die Art, wie die Traumerfahrung aufgezeichnet wird einen wesentlichen Einfluss. Es können z.B. Schwierigkeiten darin bestehen, visuelle Eindrücke des erlebten Traumgeschehens in Worte zu fassen und sie in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen, die für das Erzählen oder Aufschreiben notwendig ist. Dies gilt besonders für Trauminhalte, die aus der alltäglichen Erfahrung nicht bekannt sind, wie z.B. Fliegen, Metamorphosen, Mehrfachperspektiven oder Szenensprünge. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, die Versuchsteilnehmer zu bitten, eine Zeichnung von wichtigen Traumszenen anzufertigen. Die Instruktion, die einem Versuchsteilnehmer gegeben wird, kann ebenfalls zur Beeinträchtigung der Traumberichte führen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Versuchsteilnehmer sehr sensibel auf leicht unterschiedliche Instruktionen reagieren können (Stern et al., 1978, nach Schredl, 1999). Demnach ist es wichtig, dass eine Standardisierung sowohl der Erhebungssituation als auch der Versuchspersonen erfolgt. Untersuchungen zum Einfluss von sozialpsychologischen Aspekten auf die Traumberichte konnten weiterhin zeigen, dass die Beziehungen zwischen Versuchsteilnehmer und Versuchsleiter die Berichterstattung über den Traum beeinflussen können (Cartwright & Kaszniak, 1991, nach Schredl, 1999). Ein wesentlicher Faktor im Bezug auf die Verallgemeinerbarkeit von Untersuchungsergebnissen spielt die Auswahl der Versuchsteilnehmer. In Traumstudien werden häufig Versuchsteilnehmer ausgewählt, die über eine besonders gute Traumerinnerung verfügen, um möglichst viele Traumberichte zu erhalten. Die Repräsentativität der Ergebnisse bei dieser untersuchten Stichprobe ist dabei zu hinterfragen, da viele Menschen wenig bis nie Träume im normalen Alltag berichten können (Strauch & Meier, 1992). Schließlich stellt sich die Frage, welche Traumberichte für Untersuchungen zum Thema Traum herangezogen werden sollen. Wie in Abschnitt 2.1 bereits diskutiert wurde, besteht eine große Uneinigkeit darüber, ob Träume nur im REM-Schlaf oder während der gesamten Nacht stattfinden. Je nach Betrachtungsweise und Untersuchungsmethode werden in den verschiedenen Untersuchungen dann konsequent nur REM-Träume erhoben oder aber jedes Erlebnis, das eine Person nach einem Erwachen berichten kann. Des Weiteren lässt sich fragen, ob die erhobenen Träume repräsentativ für das gesamte Traumerleben einer Person sind. Laboruntersuchungen konnten beispielsweise zeigen, dass die systematisch gesammelten Träume in einem Schlaflabor in Struktur und Inhalt mehrheitlich viel alltäglicher sind als jene Träume, an die man sich zu Hause spontan erinnert \cite[S.~549]{Strauch1999}. In der von Strauch beschriebenen Untersuchungsart der Laborweckungen werden allerdings nur REM-Träume berücksichtigt und man könnte spekulieren, ob sich diese Ergebnisse weiter ändern würden, wenn auch andere Erlebnisberichte einer Nacht in die Untersuchung mit eingeflossen wären. Je nachdem, wie ein Traum erhoben wird, sind also unterschiedliche Untersuchungsergebnisse zu erwarten.

Als wichtigste Methoden der Traumerhebung nennt Schredl (1999) Fragebogen, Interview, Tagebuch und Laborweckung. Beim Erheben von Träumen mit einem standardisierten Fragebogen werden die Befragten gebeten, ihren zuletzt erinnerten Traum so ausführlich wie möglich wiederzugeben. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass mit geringem Aufwand eine Traumstichprobe von vielen Personen gewonnen werden kann. Allerdings weist die retrospektive Befragung den Nachteil auf, dass Verzerrungen im Prozess der Rückerinnerung möglich sind (vgl. Baddeley,1990). Als Beispiel nennt Schredl (1999, S. 42) den „Salience-Effekt“. Der Effekt wirkt sich so aus, dass vorwiegend Träume oder Traumabschnitte berichtet werden, die besonders intensiv waren. Die Interviewtechnik entspricht der Fragebogentechnik, nur dass hier die Angabe der Versuchsteilnehmer in Form eines Interviews gegeben werden. Von daher weist diese Technik die gleichen Vor- bzw. Nachteile auf wie die Fragebogentechnik. Zusätzliche muss man allerdings mit Einflüssen durch die soziale Interaktion rechnen. Bei der Tagebuchtechnik wird der Versuchteilnehmer gebeten, den Traum direkt nach dem Aufwachen in ein standardisiertes Traumtagebuch einzutragen. Verzerrungen der Rückerinnerungsprozesse können so weitgehend vermieden werden. Allerdings unterliegt diese Erhebungsform den Motivationsschwankungen der Versuchsteilnehmer. Die Traumberichte fallen in der Regel nach mehreren Tagen quantitativ ab (Schredl, 1991, nach Schredl, 1999). Auch werden meist nur morgendliche Träume nach dem Aufwachen notiert. Träume die in der ersten Hälfte der Nacht stattfinden, bleiben weitgehend unberücksichtigt.

Im Schlaflabor können mit Hilfe der aufgezeichneten physiologischen Parameter die Versuchsteilnehmer aus jeder Schlafphase (REM bzw. NREM) geweckt und um einen Traumbericht gebeten werden (z.B. Strauch & Meier, 1992). Diese strukturierte Erhebungsmethode weist allerdings auch Nachteile auf: die fremde Schlafumgebung, das Anlegen und Schlafen mit Elektroden und die nächtlichen Weckungen durch eine fremde Person kann den Traumbericht beeinflussen (Schredl, 1999, S. 44). Um die Nachteile zumindest teilweise zu umgehen, gibt es die Möglichkeit der telefonischen Weckung, wobei der Versuchpartner in seiner gewohnten Umgebung schlafen kann und für die Traumberichte telefonisch geweckt wird (Heynick & de Jong, 1985, nach Schredl, 1999).

Aufgrund der Vielzahl von Einflussfaktoren, die bei der Erhebung von Träumen wirksam werden können, regen Winget und Kramer (1979, nach Schredl, 1999) dazu an, eine möglichst genaue Dokumentation der Erhebungsprozedur und eine Standardisierung für alle Versuchspartner durchzuführen. Und Schredl (1999) zieht als Fazit, dass jede Methode Vor- und Nachteile aufweist, er empfiehlt daher, dass je nach Fragestellung und finanziellen Möglichkeiten die Methoden auszuwählen sind. Das Traumtagebuch bietet dabei die beste Möglichkeit für das Erfassen von Träumen in natürlicher Umgebung. Laborstudien dagegen scheinen sinnvoll bei Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Physiologie und Trauminhalten. Generell kann allerdings keine Methode bevorzugt werden.

Halten wir am Ende dieses Abschnittes folgendes fest: Das Traumgeschehen offenbart sich in seiner Ganzheit nur der Person, die es erlebt bzw. erlebt hat. Für die Traumforschung ergibt sich daraus, dass sich der Untersuchungsgegenstand nur indirekt – in Form eines Traumberichts – zeigt. Die Traumforschung hat sich im Laufe ihrer Geschichte auf unterschiedliche Art und Weise dieser Problematik genähert und verschiedene Perspektiven des Traumes beleuchtet. Aus der Sicht der psychologischen Traumforschung wurden vor allem Gesichtspunkte der Traumerhebung erläutert. Einflussfaktoren können dabei die Erfassungsart, die Instruktion, sozialpsychologische Aspekte, die Auswahl der Versuchspartner und die Auswahl der Träume sein. Die wichtigsten Methoden der Traumerhebung sind dabei Fragebogen, Interview, Traumtagebuch und Laborweckungen. Jede Methode weist Vor- und Nachteile auf und sollte deshalb je nach Fragestellung ausgewählt werden.


4.2 Phänomenologisch-experimentelle Methode

„Deshalb Phänomenologie!“, so lautet der kämpferische Titel von Paul Tholeys Anmerkungen (1986) zur phänomenologisch-experimentellen Methode im Anschluss an Günther Kebeck und Manfred Sader (1984) sowie an Manfred Bornewasser und Johannes Bober (1985). Ohne hier die gesamte Polemik wiedergeben zu wollen, ging es in der Auseinandersetzung darum, welcher Stellenwert der phänomenologischen Methode in der aktuellen (psychologischen) Forschung zuzuschreiben ist. Tholey sowie Kebeck und Sader sehen in der Ergänzung der experimentellen bzw. operationalen Arbeitsweise durch die phänomenologische Methode eine notwendige Erweiterung des bestehenden Methodenkanons der experimentellen Psychologie. Kebeck und Sader (1984) begründen diesen methodischen Perspektivenwechsel folgendermaßen: Wenn Verhalten und Erleben als Gegenstand der Forschung gesehen werden, dann ist die gründliche Auseinandersetzung mit der Erfassung phänomenaler Daten ein wichtiges Stück Methodenlehre: Phänomenbeobachtung und Phänomenbeschreibung sind der einzige direkte Zugangsweg zum unmittelbaren Erleben. (S. 216)

Das subjektive Erleben wird damit nicht transparenter für eine dritte Person, d.h. die Phänomenbeschreibung ist nicht identisch mit dem Phänomen, das erlebt, beschrieben oder beobachtet wird. Allerdings kann man durch geeignete Methoden versuchen, den Unterschied zwischen Phänomen und Phänomenbericht möglichst gering zu halten. Die Schwierigkeiten, die dabei entstehen können, wenn man von einem Versuchsteilnehmer einen phänomenentsprechenden Bericht erhalten möchte, führen die Autoren auf eine „erlernte naturwissenschaftlich-kritische Haltung“ (Kebeck & Sader, 1984, S. 221) zurück. So argumentieren sie, dass Menschen etwa bei der optischen Wahrnehmung gewohnt sind, von störenden Bedingungen zu abstrahieren. Diese „Entgleisung ins vermeintlich Objektive“ (S. 221) ist ihrer Meinung nach bei vielen Versuchsteilnehmern nur mit viel Mühe oder gar nicht zu beseitigen. So wird z.B. ein Stück schwarze Kohle im Sonnenlicht heller erscheinen als ein Stück weißes Papier bei unzureichender Beleuchtung, und bei der Müller-Lyer-Täuschung etwa wirkt eine Linie kürzer als die andere (vgl. 2.4); diese Dinge phänomenentsprechend zu sehen und nicht mit voreiligen Urteilen zu vermischen, kann ein langwieriger „Erziehungsprozess“ sein (Kebeck & Sader, 1984).

Bevor entsprechende methodische Hilfen für die phänomenale Datenerhebung gegeben werden, soll zunächst der Kurs auf die phänomenologische Methode durch erkenntnistheoretische Grundannahmen der Gestaltpsychologie weiter vertieft werden. Wie in Abschnitt 2.4 dargestellt, stützt man sich dabei auf den kritischen Realismus, der die strikte Trennung von einer phänomenalen und einer trans-phänomenalen Welt annimmt. Aus dieser Grundannahme heraus ist alles „Gegebene“ nur in der phänomenalen Welt erlebbar und beschreibbar. Der Begriff „Phänomenbericht“ wird also im Rahmen der Gestalttheorie auf die erlebten Geschehnisse in der phänomenalen Welt bezogen. Dies macht die so verstandene Phänomenologie [7] zur „grundlegenden Methode, an der sich alle anderen empirischen Methoden zu messen haben“ (Tholey, 1986, S. 157). Im strengen Sinne ist die intersubjektive Beobachtung der experimentellen Forschung aus kritisch-realistischer Sicht gar nicht möglich. Dies begründet Tholey (1980a, S. 179) damit, dass auch ein als jedermann zugänglich erscheinender Wahrnehmungsgegenstand immer nur Bestandteil der phänomenalen Welt eines einzelnen Subjektes ist, und dieser darf nicht mit dem physikalischen Gegenstand, als dessen Abbild er zu betrachten ist, verwechselt werden. Dass in der Regel eine intersubjektive Übereinstimmung in den Aussagen über diesen Gegenstand erzielt werden kann, führt Tholey darauf zurück, dass verschieden Personen wegen des gleichartigen Aufbaus der menschlichen Organismen strukturgleiche Wahrnehmungsbilder von ein und demselben physikalischen Gegenstand haben. Darüber hinaus besitzen Menschen auch eine strukturgleiche Sprache, mit der sie den Gegenstand beschreiben. Das Vorliegen einer intersubjektiven Übereinstimmung kann nach dieser Argumentation nur subjektiv, d.h. innerhalb der phänomenalen Welt, festgestellt werden. Würde man nun darauf bestehen, nur intersubjektive Beobachtungen im strengen Sinn als Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen zuzulassen, so folgert Tholey, müsste man vom kritisch-realistischen Standpunkt aus „konsequenterweise auf Wissenschaft gänzlich verzichten“ (Tholey, 1980a, S. 179). Will man das nicht, kann es aus gestaltpsychologischer Sicht nur darum gehen, eine subjektiv festzustellende intersubjektive Übereinstimmung zu erlangen. Deshalb kann auf die Frage „Wozu Phänomenologie?“ der Kritiker Bornewasser und Bober (1985) ein Gestaltpsychologe nur darauf hinweisen, dass Phänomenberichte der einzige und grundlegende Zugang zu dem zu untersuchenden Gegenstand darstellen [8]. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach einer angemessenen Phänomenbeobachtung und Phänomenbeschreibung in der Wissenschaft von Kebeck und Sader (1984) sowie Tholey (1986) vollkommen zu verstehen.

In Bezug auf die Traum- bzw. Klartraumforschung ist anzumerken, dass der Traumbericht als ein „besonderer Fall“ eines Phänomenberichts aufzufassen ist. Während z.B. die Müller-Lyer-Täuschung als trans-phänomenaler Gegenstand grundsätzlich für viele Personen zugänglich und beschreibbar ist – es also zu vielen vergleichbaren Phänomenberichten kommen kann –, ist das Traumgeschehen auf Grund seines „privaten Charakters“ (vgl. 4.1) nur der träumenden Person zugänglich und nur von ihr beschreibbar. Es ist also wünschenswert, dass diese phänomenalen Daten möglichst „unverzerrt“ von der Versuchsperson wiedergegeben werden. Die phänomenologische Methode bietet dafür ein geeignetes Vorgehen, während die experimentelle bzw. operationale Methode den Rahmen der Untersuchung erschließt. Da für das experimentelle Arbeiten ein relativ fester und expliziter Regelkanon existiert (z.B. Bortz, 1984), stellen Kebeck und Sader (1984) in ihrem Artikel eine Art Anforderungskatalog für die Erhebung phänomenaler Beobachtungen dem Anwender zur Verfügung. Im Folgenden werden einige Ratschläge kurz dargestellt (Kebeck & Sader, 1984, S. 225).

Die Art der personalen Beziehung zwischen Forscher und Befragtem kann für die Qualität eines Phänomenberichtes wichtig sein. Die Autoren fordern unter diesem Punkt auf, Versuchsteilnehmer nicht als „Versuchsmaterial“ zu sehen; stattdessen sollten Teilnehmer einer Untersuchung partnerschaftlich in den Forschungsprozess mit einbezogen werden. Dieses Vorgehen ist nicht nur aus moralischer Sicht zu befürworten, sondern auch aus methodischer Sicht. Dies begründen die Autoren damit, dass ein involvierter Versuchsteilnehmer höher motiviert sein wird und sich dadurch die Qualität der Forschungsergebnisse verbessert. Dabei muss es nicht zu einer vollkommenen Gleichrangigkeit zwischen Versuchsleiter und -teilnehmer kommen. Unter vielen Bedingungen wäre ein solcher Anspruch sogar unrealistisch hoch und für die Sache unnötig. Eine vertrauensvolle Hilfsbereitschaft des Versuchsleiters kann auch in einer als zeitweise asymmetrisch empfundenen Beziehung realisiert werden.

Die grundsätzliche Mangelhaftigkeit der Möglichkeit angemessener Verbalisierung vorher thematisieren. Dieser Ratschlag bezieht sich auf die Problematik, dass mit Sprache ein Phänomen nicht vollkommen abzubilden ist. Eine identische Abbildung ist aus gestaltpsychologischem Blickwinkel auch gar nicht möglich. Dennoch sollte versucht werden, den Abstand zwischen Phänomen und Phänomenbericht möglichst gering zu halten. Dies kann der Versuchsleiter nach Ansicht der Autoren dadurch erreichen, dass er den Versuchspartner auffordert

   * vorläufige Formulierungen ausdrücklich zuzulassen,
   * ungeordnete Bruchstücke oder Teilaspekte der Phänomene vorab herauszugreifen,
   * mitzuteilen, wie nahe oder wie fern seine Aussage zu dem ist, was er eigentlich sagen wollte, aber z.B. wegen der Unzulänglichkeit unserer Sprache nicht ausdrücken konnte.

Die rasche Veränderlichkeit und Labilität der Phänomene einbeziehen. Die Autoren gehen unter diesem Punkt auf das Dilemma ein, dass ein Beobachter eines Phänomens dieses Phänomen verändern oder möglicherweise zerstören kann. Einen Vorschlag, um dieses Problem zu lösen, können die Autoren leider nicht anbieten. Sie verweisen letztlich darauf, dass man zwischen stabilen und labilen Phänomen unterscheiden kann und sich das Problem nur in Bezug auf die veränderlichen Phänomene zeigt. Wenn man derartige Phänomene nicht generell aus der Forschung ausschließen will, muss man wohl in Kauf nehmen, dass eine solche Veränderung legitim ist.

N = 1 ist meist zu wenig. Hier fordern die Autoren die phänomenologisch orientierte Forschung dazu auf, in ihren Untersuchungen nicht nur auf eigene Phänomenberichte zurückzugreifen. Stattdessen sollte der Forscher versuchen, andere phänomenologische Aussagen in die eigenen Beobachtungen zu integrieren, wobei sich hierzu die experimentelle Methode anbietet.

Einstimmungsphase für die Versuchsteilnehmer vorschalten. Bei diesem Ratschlag weisen Kebek und Sader darauf hin, dass manche „Dinge“ nur unter bestimmten Bedingungen oder Voraussetzungen erinnert werden können. Um sich methodisch dieser Thematik zu nähern schlagen sie vor, dass der Versuchteilnehmer über das Rahmenthema der Untersuchung im Vorfeld informiert werden sollte und ihn auffordert, sich zu diesem Thema an ein konkretes Ereignis zu erinnern.

Man muss Komplexität stehen lassen können. Hier wird darauf hingewiesen, dass Phänomene in der Regel vielgestaltig und unübersichtlich sind. Anstatt die zu hohe Komplexität eines Gegenstandes zu Gunsten des thematischen Sachverhaltes schlichtweg zu ignorieren, sollte man Komplexität unter Umständen akzeptieren. Für den Versuchsteilnehmer sollte der Hinweis nützlich sein, die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit nicht voreilig zu reduzieren, sondern stehen zu lassen, auch wenn die einzelnen Teile nicht recht zueinander passen, einander sogar widersprechen und kein Ganzes ergeben.

Logische Konsistenz und Widerspruchsfreiheit können fehlen. Unter diesem Punkt erläutern Kebek und Sader, dass logische Konsistenz und Widerspruchsfreiheit innerhalb des Phänomenbestandes nicht notwendigerweise vorausgesetzt werden können. So forderte Metzger (1954, nach Kebek & Sader, 1984), „das Vorgefundene zunächst einfach hinzunehmen wie es ist; auch wenn es ungewohnt, unlogisch, widersinnig erscheint und unbezweifelten Annahmen oder vertrauten Gedankengängen widerspricht“. Deshalb empfehlen die Verfasser im Bereich der phänomenologischen Datenerfassung, diesen Sachverhalt ausdrücklich mit dem Versuchspartner zu besprechen, um zu vermeiden, dass die Versuchsteilnehmer den Phänomenbericht in sich konsistent und widerspruchsfrei machen und damit von dem eigentlichen Phänomen abweichen.

Fassen wir diesen Abschnitt kurz zusammen. Es wurde die phänomenologisch-experimentelle Methode näher erläutert. Sie stellt eine Erweiterung der experimentellen Forschung durch Phänomenberichte dar. Im Bezug auf die kritisch-realistische Position der Gestaltpsychologie begründet sich diese Forderung darin, dass nur in der phänomenalen Wirklichkeit sich das „Gegebene“ zeigt und daher nur durch die phänomenologische Methode zu erfassen ist. Da für das phänomenologische Vorgehen – im Gegensatz zum experimentellen – kein fester und expliziter Regelkanon existiert, wurden einige Ratschläge zur Erhebung phänomenaler Daten näher beschrieben. Diese sehen vor, dass man den Teilnehmer an einer Studie partnerschaftlich in das Forschungsgeschehen mit einbeziehen und ihn über den Rahmen der Untersuchung im Vorfeld informieren sollte. Die eingeschränkte Möglichkeit der Verbalisierung von Phänomen sollte ebenso thematisiert werden, wie die Labilität dieser Phänomene, wenn sie ins Zentrum der Beobachtung gerückt werden. Weiterhin wäre es wünschenswert, wenn mehr als nur eine Person ein Phänomen beschreibt und zu Schlussfolgerungen gelangt. Dies kann zur Folge haben, dass bei unterschiedlichen Phänomenberichten die logische Konsistenz sowie Widerspruchsfreiheit im Bezug zum Untersuchungsgegenstand fehlen. Die zu hohe Komplexität eines Gegenstandes muss bei der phänomenologischen Datenerhebung teilweise akzeptiert werden.


4.3 Aspekte der Klartraumforschung

In diesem Abschnitt wird nun der Fokus auf das methodische Vorgehen in der aktuellen Klartraumforschung gelegt. Dazu sollen zunächst Parallelen und Unterschiede zur Traumforschung herausgestellt werden. Im Anschluss daran wird zu prüfen sein, in welchem Ausmaß die experimentelle Phänomenologie bei der Erforschung der Klarträume zur Anwendung kommt und wie sie noch besser zu integrieren ist.

Wie steht es mit dem Traumbericht in der Klartraumforschung? Natürlich spielt auch dort der Bericht über das Traumgeschehen des Klarträumers eine zentrale Rolle. Wie bereits dargestellt, unterscheidet sich das Klarträumen in mehrfacher und bedeutender Hinsicht von dem gewöhnlichen Träumen. Das bewusste Erleben ist dabei der entscheidende Gegensatz. Die Fähigkeit, willentlich über den Traum reflektieren zu können, scheint auch die Traumerinnerung zu begünstigen. Gewöhnliche Träume werden normalerweise leicht vergessen. Soll ein Traum im Gedächtnis behalten werden, so muss der Traum so bald wie möglich nach dem Erwachen schriftlich festgehalten werden. Eine geringe Ablenkung durch eine andere kognitive Aufgabe kann schon zu deutlichen Beeinträchtigungen des Erinnerungsvermögens führen (vgl. 4.1). Im Gegensatz dazu scheint hinreichend deutlich zu sein, dass das Klarträumen nicht unter einer solchen tendenziellen Erinnerungseinbuße leidet (Green & McCreery, 1998, S. 30). Dies hat zur Folge, dass die Traumerhebung nicht so „trickreich“ wie bei der normalen Traumforschung erfolgen muss. Tholey (1981) stellte bei seinen umfangreichen Klartraumstudien fest, dass es nicht notwendig war, möglichst sofort nach dem Erwachen alle Klartrauminhalte festzuhalten. Es zeigte sich, dass man sich an Klarträume – gemäß der subjektiven Einschätzung – mindestens ebenso gut erinnert wie an vergleichbar weit zurückliegende Ereignisse aus dem Wachleben. Tholey (1981) forderte demnach seine Versuchteilnehmer auf, nur das Wichtigste unmittelbar nach dem Erwachen festzuhalten. Gegebenfalls mussten bestimmte Einzelheiten später detailliert berichtet werden. Die Traumberichte der Versuchspartner konnten dabei durch schriftliche Berichte, Tonbandaufzeichnungen, mündliche Überlieferung und die Beantwortung gezielter Fragen übermittelt werden.

Es bleibt anzumerken, dass das Wiedererinnern von Klarträumen auch hier grundsätzlich den Gesetzen der klassischen Gedächtnistheorie unterliegt, wie z.B. der bereits erwähnte „Salience-Effekt“ oder die Abnahme der Erinnerung über die Zeit (vgl. Baddeley, 1990). Vergleichende Studien zur Bestimmung dieser Einflüsse in der Klartraumforschung fehlen bisher. Allerdings kann man die Effekte als relativ gering einschätzen, denn die Bedeutung der Klarträume für die Forschung liegt vor allem darin, während des Träumens Beobachtungen und Versuche anzustellen, die bereits im Wachzustand geplant wurden. Sollen deshalb im Klartraum für Untersuchungen bestimmte Handlungen von Klarträumern durchgeführt werden, dann ist es dem Klarträumer möglich, sich kurz nach der Durchführung des Experiments selbst aus dem Klartraum zu wecken, um die Ergebnisse seiner Beobachtung möglichst „frisch“ in einem Fragebogen oder Traumbericht festzuhalten. Erinnerungsverzerrungen können so vermieden werden. Generell kann gesagt werden, dass die Erhebung von Klarträumen als weniger problematisch anzusehen ist als die Traumerhebung in der Traumforschung [9]. Jedoch sollten die Einflussfaktoren, die in Abschnitt 4.1 bei der Traumerhebung aufgezählt wurden, auch bei der Klartraumforschung berücksichtigt werden. Untersuchungen zu Einflüssen z.B. der sozialen Interaktion zwischen Versuchsleiter und Versuchspartner fehlen bisher.

Das methodische Vorgehen in Klartraumstudien wurde in Abschnitt 2.2 bereits geschildert. In den genannten Studien wurde gezeigt, dass ein Klarträumer objektiv messbare Merkmale (z.B. Augenbewegung oder Atmung) mit seinem Traum-Körper durch entsprechende Handlungen verändern kann. Weiterhin bieten sich Klartraumstudien dazu an, Aussagen über Vorgänge im Klartraum zu gewinnen, die nicht von „außen“ zu beobachten sind. Man kann z.B. fragen, ob es möglich ist, in einem Klartraum zu fliegen oder Schmerzen zu spüren. Um diese Aussagen zu überprüfen, können in einer Untersuchung mehrere Versuchsteilnehmer nach einem von dem Versuchsleiter festgelegten gemeinsamen Plan in ihren Klarträumen bestimmte Beobachtungen und Experimente durchführen und über die dabei auftretenden Resultate dem Versuchsleiter nach dem Erwachen berichten (vgl. Versuchsdesign in Kapitel 6). Mit diesem Studiendesign ist es möglich, auf experimentellem Weg zu Aussagen über „phänomenale“ Beobachtungen im Traum zu gelangen. Eine Reihe von Experimenten dieser Art wurden bereits durchgeführt (siehe dazu Tholey, 1981, 1985, 1989b; LaBerge, 1985; Übersicht bei Levitan, 1992; Gackenbach & LaBerge, 1988). Das integrative Vorgehen von phänomenologischer und experimenteller Methode (vgl. 4.2) ist dabei unumgänglich. Von daher werden die Ratschläge, die in Abschnitt 4.2 dargestellt wurden, in der Klartraumforschung zum großen Teil im methodischen Vorgehen beherzigt.

Die Forderung, dass man den Teilnehmer in den Forschungsprozess partnerschaftlich mit einbezieht, ist zwingend notwendig, denn in der Klartraumforschung ist der Versuchsteilnehmer kein passiver Akteur, der auf ein Signal hin einen Knopf drücken muss oder Ähnliches. Der Versuchspartner ist stattdessen ein aktiver Teilnehmer an der Untersuchung, der dafür verantwortlich ist, wie genau das angestrebte Experiment im Klartraum durchgeführt wird. Ein solcher Beitrag ist von einem Versuchsteilnehmer nur dann zu erwarten, wenn dieser entsprechend in die Untersuchung mit einbezogen wird, d.h. dass er über den Rahmen der Untersuchung aufgeklärt ist. LaBerge macht diesen Punkt deutlich, in dem er "`seine Probanden"' mit dem Begriff „Oneironauten“ („Erforscher der Traumwelt“) benennt. Mit dieser Bezeichnung macht er klar, dass der Klarträumer selbst zum Forscher wird und damit ebenso wichtig ist wie der Versuchsleiter selbst [10]. Die vorgeschaltete „Einstimmungsphase“ ist demnach ein wichtiger Bestandteil der Klartraumforschung. Ohne genaue Anleitung über den Versuch ist es einem Klarträumer nicht möglich, gezielte Beobachtungen im Klartraum durchzuführen. In der Versuchsreihe „Experiments in Lucid Dreaming“ die vierteljährig in der Zeitschrift „NightLight“ [11] durchgeführt wurde (für einen Überblick siehe Levitan, 1992), lud LaBerge interessierte Klarträumer dazu ein, an einem Experiment zu Hause mitzuwirken. Dazu war es nötig, ausführlich in die Thematik des Versuchs einzuführen und klare Versuchsanleitungen und Rückmeldebögen bereitzustellen. Ebenso wurde im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Verbalisierungen von Beobachtungen sich als durchaus schwierig erweisen können. An Beispielen wurde versucht, entsprechende Hinweise und Hilfsmittel für den Teilnehmer zu erörtern.

Allerdings spiegelt sich hier das zuvor besprochene Dilemma wieder, dass ein Phänomen labil und veränderlich sein kann, d.h. dass die Erwartungen oder Vorinformationen einen Einfluss auf die Phänomenbeobachtung haben könnten. Methodische Kontrolle ist bei diesem Punkt nur schwer möglich. Anstatt sich dem Phänomen jedoch völlig zu verschließen, sollte man akzeptieren, dass Beobachtungen von verschiedenen Personen zu unterschiedlichen Resultaten führen können. Dass logische Konsistenz und Widerspruchsfreiheit in der Klartraumforschung oftmals fehlen, zeigen mehrere Untersuchungsergebnisse. So berichtet z.B. Hearne (1981, nach Schredl, 1999), dass es Klarträumern nicht möglich war, ein elektrisches Licht im Traum einzuschalten. Diese Einschränkung konnte allerdings durch andere Untersuchungen nicht bestätigt werden (z.B. Levitan & LaBerge, 1993). Wodurch diese widersprüchlichen Untersuchungsergebnisse beeinflusst werden, muss zunächst als zu hohe Komplexität des Forschungsobjekts stehen gelassen werden und sollte als Untersuchungsgegenstand in weiteren Studien thematisiert werden. Mögliche Erklärungen hierzu wären z.B. die Erwartungen des Träumers oder die Erfahrung des Versuchsteilnehmers im Umgang mit Klarträumen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass in der Klartraumforschung die Traumerhebung einen zentralen Stellenwert besitzt. Sie ist allerdings nicht so problematisch wie in der Traumforschung, weil in der Klartraumforschung meist ein konkretes Experiment durchgeführt wird, nach dem sich der Klarträumer selbst wecken kann. Weiterhin scheint die Erinnerung an Klarträume besser zu sein als an normale Träume. Im Bezug auf die phänomenologisch-experimentelle Methode wurde festgestellt, dass die genannten Ratschläge aus dem Abschnitt davor größtenteils in der Klartraumforschung angewendet werden, vor allem deshalb, weil der Klarträumer eine aktive Rolle bei den Untersuchungen spielt und von daher über den Rahmen der Studie aufgeklärt sein muss.


4.4 Konkretisierung der Untersuchungsfragen

Die Untersuchungsfrage stellt sich nach den theoretischen Ausführungen der Kapitel~2 und 3 folgendermaßen: Führt das Trainieren von motorischen Fertigkeiten im Klartraum zu einer Verbesserung dieser Fertigkeiten im Wachen?. Für die Überprüfung dieser Frage bietet sich ein experimenteller Gruppenvergleich an, so wie er in vergleichbaren Untersuchungen zum mentalen Training bekannt ist. Dabei werden drei Versuchsgruppen gebildet, die innerhalb des Experiments eine neue motorische Aufgabe erlernen sollen. Die verschiedenen Gruppen erhalten unterschiedliche Instruktionen: Die Klartraumgruppe soll die gestellte Aufgabe im Klartraum trainieren, die Teilnehmer der nächsten Gruppe wird gebeten eine vergleichbare Aufgabe im Klartraum durchzuführen, die allerdings nichts mit der motorischen Kontrollaufgabe zu tun hat und die nicht übende Gruppe soll sich mit einer kognitiven Ablenkaufgabe auseinandersetzen. Aus den Ergebnissen eines Vor- und Nachtests der motorischen Aufgabe können dann die Lerneffekte inferenzstatistisch errechnet werden. Innerhalb der Untersuchung ist darauf zu achten, dass die Trainingszeiten in den unterschiedlichen Gruppen nicht variieren sollten. Die Interventionszeiten, der Kontrollgruppen ist deshalb an die Trainingszeiten der Versuchsteilnehmer anzupassen, die die gestellte Aufgabe während eines Klartraums trainieren. Die Trainingsintensität und der Trainingsumfang der Klartraumgruppe müssen mit den zuvor beschriebenen Erhebungsmethoden in Form von Klartraumberichten erfasst werden. Die Hinweise über die Traumerhebung und die Erfassung von phänomenalen Daten sollten dazu beachtet werden. Eine objektive Beobachtung des tatsächlichen Trainings der Klartraumgruppe ist nicht möglich.

In der Planungsphase der Untersuchung wurde klar, dass vor der Realisierung dieses Forschungsvorhaben zunächst noch einige Hindernisse zu überwinden sind. Das evidenteste Problem äußerte sich in der „Versuchsteilnehmerfindung“, d.h. Versuchpartner zu finden, die bereits die Fähigkeit besitzen Klarträume zu erleben. Blickt man in andere Kulturkreise, so stellt man fest, dass das Phänomen des Klartraums seit alters her bekannt. So wird z.B. über die Volksgruppe der „Senoi“ in den malaysischen Urwäldern geschrieben, dass in ihrer Kultur seit Generationen weder neurotische Störungen noch Geisteskrankheiten beobachtet werden. Diebstahl, Gewalttaten wie Schlagen als aggressives Verhalten oder kriegerische Auseinandersetzung sind ebenfalls unbekannt. Die Senoi nutzen dazu den Traum, um ihre Konflikte zu bewältigen. Schon die Kinder lernen, sich mit ihren Träumen auseinanderzusetzen (z.B. Faraday, 1997). In der buddhistischen Religion wird dem Traum ebenfalls eine große Bedeutung entgegengebracht. In der Übung des „Traum-Yogas“ lernen die Anhänger dieser Religion seit Jahrtausenden, in ihren Träumen bewusst zu werden, um so der himmlischen Erleuchtung näher zu kommen (z.B. Varela, 2001). Auch bei den Aboriginis, den australischen Ureinwohnern, wird dem Traum eine wichtige Rolle zugeschrieben, welches sich in der Mythologie der „Traumzeit“ widerspiegelt (z.B. Tonkinson, 1978). In der westlichen Kultur bleibt die Nacht dagegen weitgehend unbeachtet. Nachts wird geschlafen und der Schlaf dient der Regeneration des Körpers, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen, und er sollte deshalb nicht gestört werden.

Mit diesen Bemerkungen soll nicht angedeutet werden, dass in der westlichen Kultur durch bewusstes Träumen Kriege hätten vermieden werden können oder eine friedlichere Kultur entstanden wäre. Es geht vielmehr darum zu verdeutlichen, dass in unserer Zivilisation dem Schlaf und dem Traum keine besondere Bedeutung beigemessen wird. Außer dass der Schlaf störungsfrei ablaufen soll, findet man in den seltensten Fällen Ratschläge, die sich auf den Schlaf selbst beziehen, und eine Erziehung hin zum bewussten Träumen ist ebenfalls nicht zu verzeichnen. Da aber eine gewisse Hinwendung zum Schlaf und zum Traum unerlässliche Voraussetzung ist, einen Traum bewusst zu erleben, ist es nicht verwunderlich, dass das Klarträumen in unserer Kreisen kaum anzutreffen ist. In den oben genannten Kulturen ist dagegen das bewusste Träumen keine Besonderheit. Für sie stellt vielmehr die Nacht ein zweites „Dasein“ dar, welches nicht vernachlässigt werden darf.

Der Mangel an potentiellen Klarträumern in unserer Gesellschaft hat zur Folge, dass die Erforschung der Klarträume zunächst daran scheitern kann, dass keine Versuchspartner für eine Untersuchung zur Verfügung stehen. Ein Experiment in der oben skizzierten Weise erscheint zum jetzigen Zeitpunkt also vollkommen hoffnungslos, solange man nicht die „Versuchspartnerfrage“ gelöst hat. In dieser Arbeit sollen deshalb, mit Blick auf die angeführte Frage als eine Annäherung an das Forschungsfeld zwei Strategien vorgestellt werden, diese Problematik anzugehen. In der ersten Studie soll dazu in einem Kurs versucht werden, mit bereits vorhandenen Klartraumerwerbstechniken Studierenden das Klarträumen beizubringen. In der zweiten Studie sollen Klarträumer über das Internet gefunden und gebeten werden, an einem Experiment teilzunehmen.

Für die Internetstudie war es darüber hinaus notwendig, eine sportliche Aufgabe für das Klartraumtraining anzubieten. An dieser stelle ergibt sich eine weitere Frage, die auch in Bezug auf weitere Untersuchungen wichtig ist, nämlich die Problematik der Handlungsmöglichkeiten von Klarträumern. Dieses Problem resultiert aus Beobachtung, dass selbst geübte Klarträumer oftmals Schwierigkeiten haben, eine gestellte Aufgabe im Traum richtig und komplett auszuführen. Diese nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten umfassen z.B. das Vergessen der Aufgabe im Klartraum, Klarträume von kurzer Dauer oder Instabilität des Klartraumes. Das folgende Traumbeispiel zeigt, dass auch Traumgestalten störenden Einfluss auf das Durchführen von Aufgaben haben können: Traumbeispiel: Ich erlangte die Klarheit über den Traumzustand, als ich von einer Traumperson bedrängt wurde. Ich sagte dann gleich: „Was bedrohst du mich? Dies ist mein Traum und ich habe hier die Macht und nicht du.“ Die Traumperson antwortete dann nur: „Ach, meinst du? Dann sieh mal was passiert!“ Plötzlich konnte ich mich nicht mehr bewegen. Es fühlte sich dann wirklich an, als ob diese Traumperson stärker und mächtiger als ich selbst in meinem Traum war. Dies erschreckte mich so sehr, dass ich aufwachen wollte. Einen Augenblick später war ich wach.

Diese einschränkenden Faktoren wurden bisher noch nicht explizit untersucht. Es scheinen jedenfalls genügend Beispiele dafür zu geben, dass die Willens- und Handlungsfreiheiten im Klartraum zumindest in gewissen Situationen eingeschränkt sind. Tholey, (1985) versuchte mit Hilfe von verschiedenen Kriterien, die unterschiedlichen Ausprägungen eines Klartraums zu umschreiben. So nennt er sieben Klarheitsbegriffe, an Hand derer man verschiedene Traumzustände charakterisieren kann:

  1. Klarheit über den Bewusstseinszustand – Klarheit darüber, dass man träumt
  2. Klarheit über die eigene Entscheidungsfreiheit – Klarheit darüber, ob man z.B. vor  einer Albtraumfigur Reißaus nimmt oder sich mit ihr anzufreunden versucht
  3. Klarheit des Bewusstseins – im Gegensatz zum Trübungs-, Verwirrtheits-, oder  Däm-merungszustand
  4. Klarheit über das Wachleben – Klarheit darüber, wer man ist und was man sich  für diesen Traum vorgenommen hat
  5. Klarheit der Wahrnehmung – Klarheit dessen, was man sieht, hört, riecht, schmeckt  und fühlt
  6. Klarheit über den Sinn des Traums – Klarheit über die Belehrung, die ein Mensch über sich und seine Lage aus der Traumsymbolik schöpfen kann
  7. Klarheit der Erinnerung an den Traum – man beachte, dass sich dieser Klarheitsbegriff im Gegensatz zu den anderen nur indirekt auf den Traumzustand  bezieht.

Für den Klartraumbegriff, wie er von Tholey eingeführt und weiterentwickelt wurde, ist das Vorhandensein der Klarheit im Sinne von 1 bis 4 eine unerlässliche Voraussetzung. Die Klarheit im Sinne von 5 bis 7 muss dagegen nicht unbedingt vorhanden sein. Z.B. wäre der erste Klarheitsbegriff für ihn alleine nicht ausreichend, um von einem Klartraum zu sprechen, da der Gedanke, dass man träumt, in normalen Träumen verhältnismäßig oft auftritt, ohne dass es dabei zu einer wesentlichen Änderung des Traumerlebens kommt. Erst durch die zusätzliche Erkenntnis der eigenen Entscheidungsfreiheit – so behauptet Tholey – nimmt der Traum eine gänzlich andere Qualität an. Mit dieser Einteilung ist man nun in der Lage, zwischen Klarträumen besser zu differenzieren, und es wäre durchaus denkbar, einige der geschilderten Einschränkungen in einem Klartraum darauf zurückzuführen, dass es sich im Grunde gar nicht um einen wahren Klartraum (im Sinne von 1-4) gehandelt hat, sondern eben nur, um den Begriff von Green und McCreery (1998) zu verwenden, um einen „prä-luziden“ Traum. Allerdings gibt die Taxonomie keine Antwort darauf, weshalb es zu diesen Unterschieden kommt. Außerdem gibt es, wie in dem obigen Beispiel dargestellt, Behinderungen der Handlungsmöglichkeiten, die in dieser Einteilung nicht erfasst werden (z.B. Widerstand von Traumcharakteren). Vor dem Hintergrund, dass im Klartraum weitere Experimente durchgeführt werden sollen, wäre es wünschenswert, ein differenzierteres Bild über die Einschränkungen im Klartraum und eventuelle Faktoren, die dafür verantwortlich sind, zu erhalten. Die zweite Studie wird sich – über die Frage nach der Versuchspartnerfindung hinaus – mit dieser Thematik auseinandersetzen.

In diesem letzten Abschnitt des vierten Kapitels wurde zunächst die Untersuchungsfrage folgendermaßen formuliert: Führt das Trainieren von motorischen Fertigkeiten im Klartraum zu einer Verbesserung dieser Fertigkeiten im Wachen? Ein experimentelles Gruppendesign wurde vorgestellt, um diese Fragestellung zu überprüfen. Es stellte sich heraus, dass die Realisierung einer Untersuchung dieser Frage vorab daran scheitert, dass keine ausreichende Anzahl von Versuchsteilnehmer zur Verfügung steht. Der Mangel an Klarträumern ist vor allem damit zu begründen, dass in der westlichen Kultur der Traum keine große Aufmerksamkeit erfährt. Um die Versuchspartnerfrage anzugehen, wurden zwei Strategien vorgestellt, die in den folgenden zwei Studien durchgeführt werden sollen. In der zweiten Studie soll als Nebenfrage die Problematik der eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten im Klartraum nachgegangen werden.

Zusammenfassend wurden im vierten Kapitel methodische Grundfragen der Traum- bzw. Klartraumforschung diskutiert. Dazu wurde zunächst aus der Sicht der Traumforschung hervorgehoben, dass es sich beim Träumen um ein subjektives Erleben handelt, das nur in Form eines Traumberichts – indirekt – erhoben werden kann. Im Folgenden wurden Methoden und Einflussfaktoren der Traumerhebung erläutert. Aus gestaltpsychologischer Sicht sind die Traumberichte als Phänomenberichte aufzufassen. Will man den Klartraum erforschen, so muss man sich der experimentellen Phänomenologie bedienen. Erkenntnistheoretische Begründungen wurden hierzu erörtert. Für die Erfassung von phänomenalen Daten bedarf es demnach der phänomenalen Methode. Diese besitzt allerdings, im Gegensatz zum experimentellen Vorgehen, keinen expliziten Regelkanon, deshalb wurden einige Ratschläge von Kebeck und Sader für die phänomenale Methode dargestellt. So soll z.B. der Versuchsteilnehmer in die Untersuchung mit einbezogen werden und über den Rahmen der Studie im Vorfeld in größerem Maße aufgeklärt werden. In der Klartraumforschung werden die meisten zuvor genannten Methoden angewandt. Im Gegensatz zur Traumforschung ist jedoch die Traumerhebung in der Klartraumforschung leichter durchzuführen. Vor allem wegen der besseren Erinnerung an einen Klartraum und der gezielten Beobachtungen, die in einem Klartraum während eines Experiments üblicherweise durchgeführt werden. Zuletzt wurde die Forschungsfrage konkretisiert und ein experimentelles Gruppendesign skizziert. Von der Untersuchung musste zu diesem Zeitpunkt Abstand genommen werden, vor allem wegen der Problematik, ausreichend Versuchsteilnehmer für die Untersuchung zu finden. Dieses Problem soll in den folgenden zwei Studien in Angriff genommen werden. Zusätzlich wird das Experiment der zweiten Studie das Problem der Handlungsmöglichkeiten im Klartraum thematisieren.


5 Studie 1 – Sportstudenten als Klarträumer

„Hände beschmieren rot die Wände“ Schwarze Schrift auf roter Wand - Verfasser unbekannt


5.1 Untersuchungsfragen

Wie in dem Abschnitt 4.4 dargestellt wurde, soll in der ersten Studie die Versuchsteilnehmerfindung dadurch realisiert werden, dass Studenten innerhalb eines Kurses das Klarträumen beigebracht werden soll. Aus dem Abschnitt 2.3 geht hervor, dass geeignete Übungen existieren, um das Klarträumen zu erlernen. Allerdings ist die Vielfalt von erfolgsversprechenden Trainingsmethoden in einem wenig erforschten „Graubereich“ als „kunterbunt“ zu bezeichnen, und viele der angebotenen Übungen taugen zu nicht mehr als sich der nächtlichen Ruhe zu berauben. Gute und zuverlässige Übungen sind also selten. Eine besondere Ansammlung von solchen „guten Übungen“, zusammengefasst in einem Kursbuch, bietet Stephen LaBerge in „A course in Lucid Dreaming“ (Levitan and LaBerge, 1999). In Anlehnung an dieses Kursbuch wurde ein eigener Kurs erstellt. Im Rahmen dieses Lehrgangs sollten die Teilnehmer innerhalb von vier Wochen das Klarträumen erlernen. Der Kurs umfasste eine persönliche Betreuung sowie verschiedene „Hausaufgaben“, wie z.B. eine Traumtagebuch zu führen oder spezielle Übungen durchzuführen. Stephen LaBerge stellte für den Kurs außerdem vier NOVA-Dreamer zur Verfügung.


5.2 Untersuchungsdurchführung

Anfänglich wurden möglichst viele interessierte Personen über Aushänge am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg gesucht, die sich erstens für die Thematik des Klarträumens interessierten und zweitens genügend motiviert erschienen, vier Wochen lang an einem Kurs teilzunehmen. Insgesamt gab es dreizehn Personen, die für den Kurs Interesse zeigten. Diese wurden jeweils gebeten, einen Fragebogen zum Thema Klarträumen auszufüllen, um zu evaluieren, in wie fern sie mit dem Thema Klarträumen vertraut waren. Da insgesamt nur vier Teilnehmer an dem Kurs teilnehmen konnten, wurde in Einzelgesprächen geprüft, welche Personen besonders geeignet waren. Die geringe Anzahl der Teilnehmer begründet sich darin, dass der Kurs durch eine sehr intensive Einzelbetreuung geprägt ist, welche mehr als vier Personen kaum zuließ. Außerdem standen nur vier NOVA-Dreamer zur Verfügung, die ein fester Bestandteil des Kurses in den letzten zwei Wochen darstellten. Es wurden vier gut motivierte Sportstudenten für den Kurs ausgewählt. Alle vier gaben an, zumindest einmal einen Klartraum erlebt zu haben, aber nicht regelmäßig bewusst zu träumen. Wie sich allerdings in späteren Gesprächen ergab, waren die genannten Klarträume alle als „prä-luzide Träume“ (Green & McCreery, 1998, S. 32) einzustufen. Dieser Traumtypus ist einem Klartraum nahe verwandt, allerdings meint der Träumende nur, dass er träumt oder er versucht durch „Tests“, sich über die wirkliche Situation Gewissheit zu verschaffen. Der Träumer besitzt jedoch in diesem Zustand keine Willensfreiheit über das Traumgeschehen (siehe dazu auch Abschnitt 6.1). Manchmal stellt dieser Traumtyp ein Übergangsstadium zum tatsächlichen Klartraum dar, doch meist fällt der Träumer nach kurzer Zeit in einen normalen Traum zurück. Daraus folgt, dass keiner der Teilnehmer bisher einen tatsächlichen Klartraum erlebt hatte. Die Traumerinnerung war bei allen vier Studenten als relativ hoch einzustufen (vgl. Tabelle 1). Tabelle 1 Überblick über die Versuchspartner. Die Häufigkeit der Traumerinnerung ist als hoch einzustufen (Strauch & Meier, 1992). Keiner der Teilnehmer hatte bisher einen tatsächlichen Klartraum erlebt.


Teilnehmer


Alter


Geschlecht


Traumerinnerung


prä-luzide Träume

N.B.


24


weiblich


2 pro Monat


9-11 pro Jahr

N.I.


24


weiblich


5-6 pro Woche


9-11 pro Jahr

A.P.


28


männlich


2 pro Woche


6-8 pro Jahr

S.T.


25


männlich


2 pro Monat


2 pro Jahr

Die Kursteilnehmer bekamen zu Begin des Kurses jeweils ein Kursheft, das zum einen als Traumtagebuch genutzt werden sollte und zum anderen Anweisungen für die einzelnen Klartraumübungen beinhaltete (siehe Anhang A). Innerhalb der vier Wochen waren die Teilnehmer dazu angehalten, einmal pro Woche zu einem persönlichen Gespräch vorbeizukommen, um Erfahrungen zu berichten, neue Übungen zu besprechen und über Probleme bzw. Schwierigkeiten zu diskutiert. Inhaltlich hatten die einzelnen Wochen verschiedene Schwerpunkte, die im Folgenden kurz referiert werden sollen. Die verwendeten Techniken (Reflexionstechnik, MILD und der NOVA-Dreamer) wurden bereits in Abschnitt vorgestellt.

Schwerpunkte der ersten Woche: Am Anfang sollte zunächst die Traumerinnerung gesteigert werden. Dies gelingt im Allgemeinen dadurch, dass man beginnt, ein Traumtagebuch zu führen und darin möglichst viele Träume durchgängig notiert. Weiterhin wurde die Reflexionstechnik eingeführt. Die kritische Frage, ob man "`wach ist oder träumt"', sollte also mehrmals am Tag gestellt werden. Realitätstests wurden erläutert [12].

Schwerpunkte der zweiten Woche: Wenn genügend normale Träume vorgelegen haben (ca. 5-10 Träume), wurden diese Traumberichte nach Hinweisen durchsucht, die für einen Traum typisch sind („dreamsigns“ hier als Traumhinweise). Diese Traumhinweise werden in vier Kategorien eingeteilt: ungewöhnliche Gedankengänge, ungewöhnliche Handlungen, ungewöhnlicher Kontext und ungewohnte Umgebung.

Schwerpunkte der dritten Woche: Mit Hilfe der Traumhinweise konnte die „Mnemotic Induction of Lucid Dreams“-Technik (MILD) angewendet werden. An die Traumhinweise koppelt man dabei in Gedanken die Intention, dass man erkennen wird, dass man träumt. Der NOVA-Dreamer wurde eingeführt und die Einstellungen der Brille wurden erläutert.

Schwerpunkte der vierten Woche: In der letzten Woche sollte in mehreren Nächten der NOVA-Dreamer getragen werden. Die Brille speichert über eine Nacht hinweg jede registrierte Augenbewegung. Diese Daten wurden an einen PC übertragen und für weitere Einstellungen und Analysen verwendet. Vor allem muss die Intensität der Leuchtdioden und die Empfindlichkeit des Sensors in den ersten Nächten angepasst werden. Techniken, um Klarträume zu verlängern, wurden besprochen.


5.3 Ergebnisse

Die Begeisterung der Teilnehmer zu Beginn des Kurses war groß, nahm aber kontinuierlich über die Wochen ab. Das Nachlassen des Interesses zeigte sich am deutlichsten an den Eintragungen im Traumtagbuch. Während in der ersten Woche durchschnittlich zwei bis drei Träume pro Nacht notiert wurden, waren es in der dritten Woche nur noch durchschnittlich zwei Träume alle zwei Tage. Ebenfalls nahmen die wöchentlichen Sitzungen ab. Allerdings war dieser Abfall auch zu erwarten und insgesamt gesehen konnte die Beteiligung am Kurs als sehr erfreulich bezeichnet werden, wenn man bedenkt, dass die Teilnahme nur intrinsisch motiviert war, d.h. sie wurden für ihre Bemühungen in keiner materiellen Form vergütet. Nach der ersten Woche notierte jeder Teilnehmer mehr als acht Traumberichte. Diese Traumberichte wurden in der ersten Sitzung gemeinsam durchgesehen, und – wie in dem folgenden Beispiel [13] Traumbeispiel: Ich bin mit den anderen Skilehrern auf Fortbildungslehrgang im Stubaital (Kontext). Das Wetter ist bewölkt und kalt. Aus irgendeinem Grund lass ich mir meine Skikarte an einer Liftstation verlängern, obwohl sie noch gültig ist (Handlung), merke das aber erst, als es zu spät ist und ich das Geld bezahlt habe. Ich ärgere mich (Gedanke) über diese unnötige Geldausgabe, aber noch mehr ärgert mich (Gedanke), dass der Rest der Gruppe mal wieder nicht auf mich gewartet hat, sondern einfach weitergefahren ist. Ich versuche, die Leute auf dem Hang wieder zu finden, wobei ich eine ganze Reihe von Liften fahren muss. Es handelt sich dabei um ziemlich seltsame Lifte (Form): Zweier-Sessellifte, bei denen die Skier mal auf dem Boden sind, mal in der Luft. Am Ende des Lifts steht einer vom Liftpersonal und gurtet dich ab (Handlung!) – sehr seltsam, aber im Traum kam mir das wie die normalste Sache der Welt vor…

In dieser Art wurden die Traumberichte auf ungewöhnliche Handlungen, Gedanken, Kontexten und Formen analysiert. Jeder Träumer erhielt so eine Auflistung von Traumhinweisen. Häuften sich in einer bestimmten Kategorie die Hinweise besonders, so wie in dem Beispiel mehrmals Ärger (Gedanke) im Traum empfunden wurde, bekam der Teilnehmer die Anweisung, jedes Mal wenn er Ärger im Wachleben verspürte, die kritische Frage „Wach` ich oder träum` ich?“ zu stellen und einen Realitätstest durchzuführen. Mit Hilfe der Traumhinweise konnte dann die MILD-Technik zur Anwendung kommen. Bei zwei Teilnehmern führte diese Technik zum Erfolg. So berichtet A.P. folgenden Klartraum:

Traumbeispiel: … sehe ich oben auf dem Display des Notebooks ein kleines Display hängen und kann dort Fernsehprogramme sehen. Ich denke: „Das gibt`s doch nicht! Mein Notebook hat weder ein extra Display noch eine Videokarte. Träume ich vielleicht?“ Sofort schnappe ich mir auf dem Tisch einen Art Schachtel, auf der Zahlen stehen. Ich versuche, die Zahlen zu lesen, zu behalten, dann dreh ich die Schachtel um und wieder zurück. Beim ersten Mal bleiben die Zahlen dieselben. Ich vermute, dass ich träume, zweifle allerdings – alles ist so real! Ich dreh die Schachtel nochmal rum, dann wieder zurück. Jetzt stehen da andere Zahlen. Ich weiß nun, dass ich träume. Darauf hin will ich irgendetwas verändern, anstellen oder steuern. Das war wohl zu viel, denn im selben Moment wache ich auf [14].

Zuvor war der Teilnehmer in den frühen Morgenstunden aus einem Traum aufgewacht, beim Wiedereinschlafen hatte er die MILD-Technik angewandt. Der Realitätstest ermöglichte es ihm, im folgenden Traum zu erkennen, dass er träumt. In der MILD-Technik ist es ebenfalls wichtig, sich für den Traum eine ganz bestimmte Handlung vorzunehmen, denn über die Erinnerung an die Handlungsvornahme kann im Traum die Klarheit über den Bewusstseinszustand gewonnen bzw. stabilisiert werden. Bei dem zweiten Klartraum von N.B. half dieser „Trick“, das Bewusstsein im Traum für kurze Zeit zu stabilisieren: Traumbeispiel: Um den Klartraum zu üben, sollte ich mir vor dem Einschlafen vornehmen, sobald ich träume und mir dies bewusst wird, zu einer Wand zu gehen. Ich träumte in dieser Nacht davon, dass ich zusammen mit einigen anderen, die aber kein Gesicht hatten, einen Vortag auf einem freien Feld hörte. Der Vortrag wurde von einem Mann gehalten, der ebenfalls kein Gesicht hatte, aber sehr groß und stabil war. Der Vortrag handelte von Feldsalat. Ich war sehr gefesselt von den Ausführungen des Dozenten. Leider weiß ich nicht, warum mir bewusst wurde, dass ich träumte. Wie ich mir vorgenommen hatte, lief ich zur Wand. Es war auf einmal eine Wand da, die vorher in meinem Traum – zumindest in dem Teil, den ich bewusst träumte – nicht vorgekommen war. Ich stand an der Wand und bin leider aufgewacht, weil ich mich so sehr gefreut hatte, einen Klartraum erlebt zu haben und die Handlung beeinflusst zu haben. Schade!

In der dritten und vierten Woche wurde der NOVA-Dreamer eingesetzt, um Klarträume zu induzieren. In den ersten beiden Nächten wurde dazu die Empfindlichkeit des Sensors justiert und die Intensität der Leuchtdioden eingestellt. Bei falscher Einstellung des Sensors kann es dazu kommen, dass von der Brille überhaupt keine oder nur wenige Augenbewegungen registriert und daher keine Lichtsignale gesendet werden, oder aber der Sensor ist zu empfindlich eingestellt und die Leuchtdioden blinken viel zu oft und stören dadurch den Schlaf. Die Intensität der Leuchtdioden kann in Helligkeit und Blinkfrequenz verändert werden. Je nach Schlaftiefe des Nutzers kann bei einer zu hohen Intensität das Blinken der Leuchtdioden zum Erwachen führen. Die Intensität muss dann erniedrigt werden. Nach einer Nacht kann man die Qualität der Einstellung grob überprüfen, in dem man die gespeicherten Werte an einen Computer überträgt und sich die Daten der Nacht näher betrachtet. In Abbildung 14 sieht man die Aufzeichnung des NOVA-Dreamers über eine Nacht hinweg. Insgesamt wurden 19 Lichtsignale gesendet. Wie man an der Verteilung der Lichtsignale erkennen kann, war der Sensor der Brille optimal eingestellt. Alle eineinhalb bis zwei Stunden registrierte er Augenbewegungen (REM-Schlaf), d.h. die Leuchtdioden der Brille wurden aktiv. Aus dem Traumbericht geht hervor, dass keiner der Lichtblitze den Träumer aufweckte, aber auch keine Lichterscheinungen im Traumbericht auftauchten. Die Intensität der Leuchtdioden wurde also für das nächste Mal erhöht. Wie das folgende Beispiel illustriert, war der NOVA-Dreamer als Induktionshilfe von Klarträumen in einem Fall erfolgreich:
 	


Abbildung 14 Der NOVA-Dreamer speichert die gesendeten Lichtsignale einer Nacht. Diese Informationen können in dem Programm „SuperNova“ angezeigt werden. Die Einstellung ist aus der unteren Spalte ersichtlich. Hier: cue duration: 15 (Anzahl der Lichtblitze), cue intensity: 2 (Intensität 1=schwach bis 6=sehr hell), cue rate: 2 (Blinkfrequenz 1=1/sec bis 6=6/sec), cue type: 1 (verschiedene Einstellung möglich, z.B. abwechselndes Blinken oder mit akustischem Signal) (siehe „NovaDreamer – Operation Manual“, Levitan, 1999).

Traumbeispiel: Ich lag in meinem Bett und der NOVA-Dreamer leuchtet mir unangenehm in meine Augen. Ich nahm die Brille ab und drückte den Realitätsknopf an der Vorderseite der Maske. Allerdings blieb das Leuchten und Piepsen der Brille aus – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass dies ein Traum sein könnte. Ich blickte zu meinem Wecker und schaute auf die Uhrzeit, doch anstatt meines digitalen Weckers stand dort nur eine Sanduhr. „Ich träume!“, sagte ich mir selbst und betrachtete nun mein Zimmer genauer. Alles erschien so real. Als ich zum Fenster hinaus schaute, begann die Sonne auf einmal unheimlich hell zu leuchten. Ich wachte auf, der NOVA-Dreamer blinkte. Mit einem Realitätstest vergewisserte ich mich, dass ich tatsächlich wach war [15].

Ein Nachteil des NOVA-Dreamers wird in dem Beispiel deutlich: die Brille kann nicht wissen, dass der Träumer den Klartraumzustand erreicht hat und so kann es passieren, dass durch weiteres Blinken der Träumer geweckt wird. Ein weiteres Problem mit dem NOVA-Dreamer besteht darin, dass manche Menschen das Tragen der Maske als sehr unangenehm empfinden. Wenn diese Personen es dennoch schafften, mit der Brille einzuschlafen, stellen sie am Morgen meist fest, dass sie die Brille während des Schlafes heruntergerissen hatten. Bei zwei der Teilnehmer kam deshalb der NOVA-Dreamer nicht zum Einsatz.


5.4 Diskussion

Wie soll man die Ergebnisse des Kurses nun bewerten? Auf der einen Seite war es möglich, dass drei von vier Teilnehmern in einem relativ kurzen Zeitraum einen Klartraum erleben konnten. Auf der anderen Seite war es nur ein Klartraum pro Person innerhalb von vier Wochen und alle drei Klarträume waren von sehr kurzer Dauer. In keinem dieser genannten Träume wäre für den Träumer ausreichend Zeit gewesen, um sportliche Aktivitäten, ein Klartraumtraining oder ein Experiment durchzuführen. Mit diesen unbefriedigenden Ergebnissen bat ich Stephen LaBerge um einen Kommentar. Seine Antwort relativierten die Resultate des Kurses. I wouldn't call that a disaster, exactly. A disaster would be more like three students went crazy, two sued you, and one died ;-). A “disappointment” yes! But now you know it isn't easy teaching people to have Lucid Dreams unless they are already motivated. (S. LaBerge, persönl. Mitteilung, 19.08.2001)

Er versicherte mir nochmals, dass ihm in den über 20 Jahren, in denen er sich mit den Klarträumen beschäftigt noch nie eine einwandfrei funktionierende Induktionstechnik begegnet war, die innerhalb kurzer Zeit zu nächtlichen Klarträumen führte. Innerhalb seiner Workshops war der entscheidende Faktor für das Herbeiführen von Klarträumen die Motivation, die eine Person aufbrachte, um den Anweisungen der Techniken kontinuierlich Folge zu leisten. Erschwerend kommt zu dem Klartraumerwerb hinzu, dass – so mühselig es erscheint einen Klartraum zu erleben – diese Fähigkeit auch wieder rasch verschwindet, wenn man sich nicht mehr mit den Träumen auseinandersetzt. Im Moment stellt das Induzieren von Klarträumen eines der größten Probleme in der Klartraumforschung dar und eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Zukünftige Forschung wird sich also vor allem mit diesem Dilemma auseinander setzen müssen. Eine Verbesserung von externen Induktionshilfen, wie z.B. dem NOVA-Dreamer ist dabei in naher Zukunft zu erwarten.

Fassen wir die erste Studie zusammen. Schwerpunkt der Untersuchung war es zu ergründen, wie einfach es Studierenden fallen würde, das Klarträumen zu erlernen. Diese Untersuchungsfrage entstand deshalb, weil es ein grundsätzliches Problem ist, Klarträumer für Untersuchungen zu finden. Es wurde ein vierwöchiger Kurs erstellt, an dem vier motivierte Sportstudenten bereit waren teilzunehmen. Drei der vier Teilnehmer konnten innerhalb der vier Wochen einen Klartraum mit den im Kurs beschriebenen Techniken herbeiführen. Allerdings waren alle drei Klarträume von kurzer Dauer. Im Bezug auf weiterführende Experimente im Klartraum waren diese Ergebnisse sehr ernüchternd. In Anbetracht dessen, dass die Herbeiführung von Klarträumen ein großes Problem für die Klartraumforschung darstellt, konnten die Ergebnisse schließlich doch als Erfolg gewertet werden.

6 Studie 2 – Klarträumer als Sportler

Have you done a reality test today? - Slogan des Lucidity Institute


6.1 Untersuchungsfragen

In dem Abschnitt 4.4 wurde erläutert, dass es mindestens zwei Wege gibt, um die „Versuchspartnerfrage“ zu lösen. Während die erste Möglichkeit – das Erlernen von Klarträumen – in der Studie 1 im Mittelpunkt stand, soll nun in der zweiten Studie der zweiten Strategie gefolgt werden. Das Ziel hierbei ist es, dass man bereits erfahrene Klarträumer bittet, an einem Experiment über das Klarträumen teilzunehmen. Dies setzt voraus, dass man erstens weiß, wo Klarträumer zu finden sind und zweitens ein experimentelles Design vorliegen hat, in dem die Klarträumer mitwirken können. Beim ersten Punkt soll das „WorldWideWeb“ weiterhelfen. Im Internet ist es inzwischen möglich, zu jedem Thema eine so genannte „Mailingliste“ zu finden. So gibt es auch eine „deutsche Mailingliste zum Thema luzides (bewußtes) Träumen“ [16]. In dieser Mailingliste kann sich jeder interessierte Internetnutzer anmelden und über das Listenthema diskutieren. Die Liste eignet sich demnach für die Suche nach potentiellen Klarträumern. Weiterhin kann man in so genannten „Webcrawlern“ Internetseiten ausfindig machen, die sich mit dem Thema Klartraum befassen. Die Seitenbetreiber sind meist selbst Klarträumer und somit prinzipielle Ansprechpartner für ein Klartraumexperiment, oder sie bieten ein „Gästebuch“ an, in dem Hinweise auf weitere Klarträumer zu finden sind. Im Bezug auf das experimentelle Design bietet die Untersuchungsreihe „Experiments in Lucid Dreaming“ von LaBerge eine geeignete Hilfestellung an. Wie schon erwähnt, wurden die Leser der Zeitschrift „NightLight“ vierteljährlich gebeten, sich an den Experiment zu beteiligen. Der Aufbau der „Experiments in Lucid Dreaming“ wurde für einen eigenen Experimententwurf übernommen.

Das Experiment beschäftigt sich dabei mit der in Abschnitt 4.4 aufgeworfenen Problematik der Handlungsmöglichkeiten eines Klarträumers im Klartraum. Konkret stellt sich die Frage, wie einfach es verschiedenen Klarträumern gelingen wird, in ihren Klarträumen sportlich Aktivitäten durchzuführen, dabei soll über jeden Erfolg und Misserfolg berichtet werden. Aus den Klartraumberichten sollen dann mehr Information darüber gewonnen werden, wo Grenzen und Möglichkeiten der Handlungsmöglichkeiten im Klartraum liegen.


6.2 Untersuchungsdurchführung

Als Vorlage für das Experiment wurde eine Untersuchung von LaBerge (1992) gewählt. In dem Experiment „Mirrors and Light“ stellte er seinen Lesern die Aufgabe, in ihren Klarträumen erstens ein elektrisches Licht ein bzw. auszuschalten und zweitens das eigene Spiegelbild zu betrachten. Wie üblich wurden die Teilnehmer ausführlich in die Thematik eingeführt, außerdem gab es explizite Versuchsanweisungen und die eigenen Beobachtungen sollten in einem Klartraumbericht festgehalten und an das „Lucidity Institute“ zurückgeschickt werden. Mehrere Modifikationen wurden an dem bestehenden Design vorgenommen:

Internetseite – Die gesamte Untersuchung wurde als Internetversion realisiert, d.h. alle erforderlichen Dokumente (siehe Anlage B) waren unter der Internetadresse „http://klartraum.uni-hd.de“ abzurufen. Das Layout ermöglichte es dem Teilnehmer, in bequemen „Schritt für Schritt“ Anweisungen durch die Studie geführt zu werden (siehe Abbildung 15).



Abbildung 15

Die Internetseite http://klartraum.uni-hd.de beinhaltete die gesamten Dokumente, die für eine Teilnahme wesentlich waren. Die Navigationsleiste im linken Frame gewährleistete dem Teilnehmer eine einfache Orientierung in der Seitenstruktur.

Unterlagen wie z.B. Anweisungen, Traumberichtsbögen und Traumcheckliste, die vom Teilnehmer während des Abends oder der Nacht benötigt wurden, konnten von ihm zu Hause ausgedruckt werden. Die entsprechenden Unterlagen lagen als pdf-Dateien in einem gesonderten Schritt zur Verfügung.

Fragebogen – Zu Beginn der Studie sollte jeder Teilnehmer einen Online-Fragebogen ausfüllen. Der Fragebogen erfasste vor allem Daten über die Erfahrung der einzelnen Teilnehmer im Klarträumen. Der Fragebogen wird dabei als Formular am heimischen Rechner „online“ vom Teilnehmer ausgefüllt und abgeschickt. Über ein so genanntes „Common Gateway Interface“ werden die in das Formular eingetragenen Daten auf dem Universitätsserver in einem Ordner gespeichert, der nur von dem Untersuchungsleiter zugänglich ist. Die übertragenen Daten konnten für weitere statistische Auswertungen direkt in ein entsprechendes Programm (z.B. Excel) importiert werden.

Aufgaben – Die Teilnehmer sollten sich in die Unterlagen einlesen. Die Aufgabe, die der Versuchsteilnehmer durchführen sollte, bestand darin, eine beliebige, selbst gewählte sportliche Übung im Klartraum durchzuführen. Die von dem Teilnehmer gewählte Aufgabe sollte in einem weiteren Formular genau beschrieben werden. Um einen Überblick über die Häufigkeit der erlebten Klarträume bzw. Träume des Teilnehmers zu bekommen, sollte dieser innerhalb der folgenden vier Wochen in einer Checkliste die Anzahl der erlebten Klarträume sowie Träume pro Nacht notieren. Im Falle eines Klartraums war der Klarträumer aufgefordert, die gewählte Übung durchzuführen. Nach einem Klartraum sollte ein Klartraumbericht geschrieben werden und fünf weitere Fragen auf dem Traumberichtsbogen beantwortet werden, egal ob die Aufgabe durchgeführt werden konnte oder nicht.

Rückmeldung – Nach jeder Woche sollte der Teilnehmer auf die Internetseite zurückkehren und seine gesammelten Resultate in ein gesondertes Internetformular übertragen. So war es ihm möglich, seine Beobachtungen ohne großen Aufwand an mich zurückzusenden. Die Antwortformulare entsprachen dabei den gedruckten Vorlagen, in die der Träumer seine Beobachtungen notierte.


6.3 Ergebnisse

In der Zeit vom 17. Juli bis zum 12. September 2001 war die Internetseite unter der angegebenen Adresse frei geschaltet und für jeden Internetnutzer zugänglich. Es wurde an verschiedenen Stellen im Internet wiederholt dazu eingeladen, die Seite aufzusuchen, um an der Studie teilzunehmen. Weiterhin wurden mehrere E-Mails an unterschiedliche Klarträumer gesendet, mit der gleichen Aufforderung, die Seite zu besuchen. Allein über die Mailingliste sollten so schon über 40 potentielle Klarträumer erreicht werden. Mit den direkt versendeten Mails müsste die Anzahl der angesprochenen Personen bei ca. 60 liegen. Einige der angeschriebenen Klarträumer haben unmittelbar zurück geschrieben und mir mitgeteilt, dass sie gerne teilnehmen würden, aber daran zweifelten, ob sie genügend Klarträume erfahren würden, um an der Studie mitzuwirken. Diese wurden aufgefordert auf jeden Fall an der Studie teilzunehmen. Andere sagten aus verschiedensten Gründen ab. Nach den ersten Wochen machten dann nur drei Klarträumer den ersten Schritt und füllten den Online-Fragebogen aus. Zwei von den drei Teilnehmern entschlossen sich dazu, weitere Schritte in der Studie zu unternehmen. Tatsächlich beendete aber keiner der Teilnehmer die Studie und kein einziger Wochenbericht oder Klartraumbericht ist in dem Zeitraum der „Datenerhebung“ zurückgekommen.


6.4 Diskussion

Ein weiteres „Desaster“? Ja und Nein. Zum einen ist es natürlich enttäuschend, wenn es nicht gelingt, auch nur einen Klartraumbericht zu erheben, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Mühe und Anstrengung in die Realisierung der Studie gesteckt wurde. Zum anderen lernt man bekanntlich aus Fehlern und es wurden einige Fehler begangen, die vorauszuahnen waren, aber durch eine gewisse Naivität übersehen wurden. Naiv in dem Sinne, dass die Teilnehmer schon sehr motiviert sein müssten, um über einen Zeitraum von vier Wochen freiwillig an einer Studie teilzunehmen, ohne dabei in irgendeiner Form vergütet zu werden. Der Umfang der Untersuchung war also viel zu groß gewählt worden. Ein einfacheres Experiment mit weniger Anweisungen und zeitlicher Beanspruchung für den Teilnehmer hätte das Feedback sicher positiv beeinflusst. Ein Punkt, der versöhnlich stimmte, war, dass die Realisierung von Internetexperimenten eine kaum verbreitet Methode darstellt. Allein die Umsetzung der Untersuchung in ein Online-Format bedurfte mehrere Monate Arbeitszeit. Mit dem gewonnenen Wissen ist es ein Leichtes, den Untersuchungsaufbau zu variieren; so kann z.B. das bestehende Experiment weniger umfangreich gestaltet werden. Damit wäre es dann möglich, in kleineren Untersuchungseinheiten Klarträumer zu motivieren an einem Experiment teilzunehmen. Ein weitere Möglichkeit, mehr Ergebnisse zu erzielen, bietet die Übersetzung der Online-Studie in die englische Sprache. Dadurch könnte man eine viel größere Population an potentiellen Teilnehmer ansprechen. Allein die Mailingliste des „Lucidity Institute“ umfasst mehrere tausend Einträge. Im Bezug auf die „Versuchsteilnehmerfrage“, die ja von zentraler Bedeutung in den beiden Untersuchungen war, bleibt zu sagen, dass die Online-Experimente in zukünftigen Experimenten ein durchaus viel versprechendes Potential aufweisen.

Fassen wir auch die zweite Untersuchung kurz zusammen. Ziel der Studie war es, die Versuchspartnerfrage mit der zweiten Strategie anzugehen. Dabei wurde versucht, Klarträumer im Internet aufzuspüren. Diese wurden gebeten, an einem Online-Experiment mitzuwirken. Das Design des Experiments wurde von LaBerges Untersuchung „Mirrors and Lights“ übernommen und in wesentlichen Punkten modifiziert. Innerhalb des Experiments waren die Teilnehmer dazu aufgefordert, eine komplexe sportliche Übung im Klartraum durchzuführen. Über spezielle Online-Formulare konnten die Resultate der Beobachtungen zurückgesendet werden. Innerhalb der zwei Monaten, in denen die Studie „online“ war, beteiligten sich nur drei Personen am Experiment; keiner beendete es. In zukünftigen Online-Experimenten muss vor allem darauf geachtet werden, die Anforderungen an den Teilnehmer nicht zu groß werden zu lassen. Prinzipiell lässt das Online-Design jedoch hoffen, in Zukunft mehr Daten erheben zu können.


7 Zusammenfassung und Ausblick

A man was walking home late one night when he saw the Mulla Nasrudin searching under a street light on hands and knees for something on the ground. „Mulla, what have you lost“ he asked. „The key to my house,“ Nasrudin said. „I'll help you look,“ the man said. Soon, both men were down on their knees, looking for the key. After a number of minutes, the man asked, „Where exactly did you drop it?“ Nasrudin waved his arm back toward the darkness. „Over there, in my house.“ The first man jumped up. „Then why are you looking for it here?“ „Because there is more light here than inside my house.“ - Nasrudin wisdom

Wie in der Einleitung begründet, legt diese Magisterarbeit zwei Schwerpunkte: den Klartraum und dessen Anwendung für Zwecke des sportmotorischen Lernens. Nach der Einführung in das Thema in Kapitel 1 wurde dementsprechend in Kapitel 2 der Fokus zunächst auf das Phänomen Klartraum gerichtet. Dort wurde das Klarträumen so beschrieben, dass es sich um REM-Träume handelt, in denen das phänomenal erlebte Traum-Ich seinen Zustand des Träumens reflektiert und daraufhin die Geschehnisse im Traum willkürlich verändern kann. Über die im EOG aufgezeichnete Augenbewegung des schlafenden Körpers kann das Traum-Ich der Außenwelt mitteilen, dass es gerade träumt. Beim Klarträumen handelt es sich um eine erlernbare Fertigkeit. Im Zentrum des Kapitels 3 dieser Arbeit standen Aspekte des Bewegungslernens. Motorisches Lernen wurde – informationstheoretisch – als Erwerb von generalisierten motorischen Programmen und zugehörigen Schemata definiert, wobei sich gezieltes Training in angestrebten Verbesserungen niederschlägt. Das mentale Training nimmt im Sport eine Sonderstellung ein, weil es dem Sportler die Möglichkeit bietet, Bewegungen nur in der Vorstellung zu trainieren. Die Effekte werden dabei hauptsächlich auf die Verbesserung kognitiver Anteile einer Bewegung zurückgeführt. Die Programmierungshypothese bietet eine Erklärung für die mentale Optimierung motorischer Anteile einer Bewegung. Ein Klartraumtraining ist insofern dem mentalen Training gleichzusetzen, als dass sich der physikalische Körper dabei nicht bewegt. Beim näheren Hinsehen zeigen sich jedoch qualitative und physiologische Unterschiede, die die Vermutung plausibel erscheinen lassen, dass das Training im Klartraum dem mentalen Training deutlich überlegen ist. Das Kapitel 4 war geprägt durch methodische Vorüberlegungen, die zum einen aus der Traumforschung abgeleitet wurden und zum anderen aus der experimentellen Phänomenologie gewonnen werden konnten. Ein zentraler Aspekt der Traumforschung bezieht sich darauf, dass sich das Träumen nur im subjektiven Erleben in seiner Ganzheit zeigt. Der Traumbericht, der das Traumerleben indirekt umschreibt, spielt deshalb eine zentrale Rolle in der Traumforschung. Traumerhebungsmethoden und Methoden der phänomenalen Datenerhebung wurden ausführlich diskutiert, um ein möglichst unverzerrte Darstellung von Phänomenberichten zu gewährleisten. Letztendlich wurde die Untersuchungsfrage folgendermaßen formuliert: Führt das Trainieren von motorischen Fertigkeiten im Klartraum zu einer Verbesserung dieser Fertigkeiten im Wachen? Das skizzierte experimentelle Gruppendesign konnte vor dem Hintergrund der mangelnden Versuchsteilnehmer zu diesem Zeitpunkt nicht durchgeführt werden. Stattdessen erfolgten zwei Studien, die sich mit der Versuchspartnerfrage beschäftigten. Die Studien stellen von daher erste Schritte dar, sich dem Untersuchungsfeld anzunähern. Beide Strategien, die gewählt wurden, um die Problematik zu lösen, brachten nur mäßigen Erfolg. Dennoch war in beiden Studien auch positive Aspekte zu vermerken, die hoffen lassen, dass in zukünftigen Experimenten sich besser Resultate zeigen werden. Im Hinblick auf motorische Lernprozesse im Klartraum soll nach all dem Gesagten Folgendes festgehalten werden: Geht es um die rein kognitiven Anteile von Bewegungsaufgaben, zeigen schon die umfassenden Forschungsresultate zum mentalen Training, dass es Bewegungsleistungen auf rein mentalem Weg zu optimieren sind. Entsprechende empirische Belege aus der Klartraumforschung stehen zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch aus; es ergeben sich jedoch starke Hinweise für die Hypothese, dass ein Klartraumtraining auch in motorischer Hinsicht leistungssteigernd wirkt. Vorausgesetzt wird dabei stets, dass zwischen phänomenalem Körper-Ich und physikalischem Körper enge Wechselbeziehungen bestehen. Diese Annahme jedoch wird durch die skizzierte Befundlage zum mentalen Training sowie durch vorliegende Klartraumberichte gestützt. In weiteren Studien muss man sich allerdings dazu wieder in das „unbeleuchtete Haus“ begeben, um dort im Dunkeln nach weiteren empirischen Hinweisen für die Effektivität des Klartraumtrainings zu suchen. Denn die Hoffnung „im Licht“ weitere Erkenntnisse zu gewinnen sind wie bei Nasrudin aussichtslos.


Danksagung

Keiner ist so verrückt, daß er nicht noch einen Verrückteren fände, der ihn versteht - Heinrich Heine

Am Ende möchte ich die Gelegenheit nutzen all denen zu danken, die meine Verrücktheiten haben ertragen müssen und daran beteiligt waren diese Arbeit zu ermöglichen. Da sind zunächst die „Versuchspartner“ der ersten Studie zu nennen, die sich selbst vor den Fernsehkameras des Südwestrundfunks nicht gescheut haben, meine „Spinnereien“ anzuerkennen. Danke also den „offiziellen“ Teilnehmern Sven, Nina, André und Nicole, sowie den unzähligen „Inoffiziellen“. Besonderer Dank gilt Herrn Prof. Klaus Roth für die Abnahme der Arbeit, Michael Schredl für Ratschläge und Diskussionen sowie kritischen Tipps bei der Erstellung der Internetstudie, dem „Mensa-Stammtisch“ mit wechselnder Besetzung, allen voran Mario Vitacolonna, Jochen Stüber, Holger Prestor, das mäßige Essen hat der Qualität der „12 Uhr Diskussionen“ keinen Schaden zugefügt, Jochen Baumann – ein weiterer „Stammtischler“ – für seine unzähligen Korrekturen, Stephen LaBerge für unvergessliche Monate im sonnigen Kalifornien, die ich vor allem im dunklen Kellergewölben der Stanford University verbringen durfte, um dort die Grundlagen der Klartraumforschung zu erlernen, meinem Bruder Sascha für Unterstützung am Computer und vieles mehr, meinen Eltern für alle Freiheiten, die sie mir gegeben haben, um meinen Verrücktheiten freien Lauf zu gewähren, Felix Ehrlenspiel für „phänomenale“ und „trans-phänomenale“ Diskussion über Klarträume, Ernst-Joachim Hossner dafür, dass er verrückt genug war, mir vor Jahren zuzuhören und dafür, dass er diese Arbeit so umfassend betreut hat. Am Ende gilt mein Dank meiner „Traumfrau“ Carmen dafür, dass sie alle Verrücktheiten bisher mit mir durch gestanden hat


8 Literatur

   * Antrobus, J. (1983). REM and NREM sleep reports: Comparison of word frequencies by cognitive classes. Psychophysiology, 20(5), 562–567.
   * Aserinsky, E. & Kleitman, N. (1953). Regularly occuring periods of eye motility, and concomitant phenomena during sleep. Science, 118, 273–274.
   * Bach, R. (1989). Illusions. the adventures of a reluctant messiah. New York: Dell-Eleanor.
   * Baddeley, A. (1990). Human memory. theory and practice. Hillsdale, N.J.: Erlbaum.
   * Beyer, G. &Wessel, R. (1987). Der Klartraum. Eine deskriptive und vergleichende Studie zum Klartraum in der wissenschaftlichen Traumforschung und in den traditionellen esoterischen Psychologien. Unpublished doctoral dissertation, Universität Münster.
   * Birbaumer, N. & Schmidt, R. F. (1996). Biologische Psychologie (dritte, komplett überarbeitete Aufl.). Berlin; Heidelberg: Springer.
   * Bischof, N. (1966). Erkenntnistheoretische Grundlage der Wahrnehmungspsychologie. In W. Metzger (Hrsg.), Handbuch der Psychologie (pp. 21–79). Göttingen: Hogrefe.
   * Bober, J. & Bornewasser, M. (1986). Die Unstimmigkeiten Bleiben. Gestalt Theory, 6(3),
   * 287–290.
   * Borbély, A. (1984). Das Geheimnis des Schlafs. Neue Wege und Erkenntnisse der Forschung.
   * Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt GmbH.
   * Borbély, A. (1998). Das Geheimnis des Schlafs. Neue Wege und Erkenntnisse der Forschung. Universität Zürich: Internet-Ausgabe: http://www.unizh.ch/phar/sleep/buch/.
   * Bornewasser, M. & Bober, J. (1985). Wozu Phänomenologie? Gestalt Theory, 7(2), 91–98.
   * Bortz, J. (1984). Lehrbuch der empirischen Forschung für Sozialwissenschaftler (dritte, komplett überarbeitete Aufl.). Berlin; Heidelberg: Springer.
   * Brehm, W. (1998). Wie lehrt man offene Fertigkeiten? In B. Sportgruppe (Hrsg.), Methoden im Sportunterricht: ein Lehrbuch in 14 Lektionen (pp. 27–47). Schorndorf: Hofmann.
   * Chalmers, D. (1996). Das Rätsel des bewußten Erlebens. Spektrum der Wissenschaft, 2, 40–47.
   * Driskell, J. E., Copper, C. & Moran, A. (1994). Does mental practice enhance performance? Journal of Applied Psychology, 79(4), 481–492.
   * Eberspächer, H. (1995). Mentales Training. München: sportinform.
   * Erlacher, D. (1999). Unveröffentlichte Daten, Stanford University.
   * Faraday, A. (1997). Dream power. New York: Berkley Books.
   * Feltz, D. L. & Landers, D. M. (1983). The effects of mental practice on motor skill learning and performance: A meta-analysis. Journal of Sportpsychology, 5, 25–57.
   * Freud, S. (1999). Die Traumdeutung (9. unveränderte Aulf.). Frankfurt a. M.: Fischer. (Original work published 1900)
   * Garskadon, M. A. (1980). A manual for polysomnography (PSG) technicians. Stanford University.
   * Goldstein, B. E. (1997). Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung (b. M. Ritter, Trans.). Heidelberg; Berlin: Spektrum, Akad. Verl. (Original erschienen: Sensation and Perception)
   * Green, C. & McCreery, C. (1998). Träume bewußt steuern. Über das Paradox vom Wachsein im Schlaf. Frankfurt a. M.: Fischer.
   * Herrmann, H.-D. & Eberspächer, H. (1994). Psychologisches Aufbautraining nach Sportverletzungen. München: sportinform.
   * Heuer, H. (1985). Wie wirkt mentale ¨ Ubung? Psychologische Rundschau, XXXVI(3), 191–200.
   * Hildebrandt, H. (1994). Wie visuell organisiert ist visuelles Vorstellen? Gestalt Theory, 16(3), 172–189.
   * Hossner, E. J. (1995). Module der Motorik. Schorndorf: Hofmann.
   * Jouvet, M. (1994). Die Nachtseite des Bewusstseins. Warum wir träumen. Reinbek: Rowohlt Verlag.
   * Kebeck, G. & Sader, M. (1984). Phänomenologisch-experimentelle Methodenlehre. Gestalt Theory, 6(3), 193–245.
   * Köhler, W. (1933). Psychologische Probleme. Berlin: Springer.
   * LaBerge, S. (1980). Lucid dreaming as a learnable skill: A case study. Perceptual and Motor Skills, 51, 1039–1042.
   * LaBerge, S. (1982). Lateralization of alpha activity for dreamed singing and counting during REM sleep. Psychophysiology, 19, 331–332.
   * LaBerge, S. (1985). Lucid dreaming. the power of being awake and aware in your dreams. Los Angeles: Jeremy P. Tarcher, INC.
   * LaBerge, S., Greenleaf, W. & Kedzierski, B. (1983). Physiological responses to dreamed sexual activity during lucid REM sleep. Psychophysiology, 20, 454-455.
   * LaBerge, S. & Levitan, L. (1995). Validity established of dreamlight cues for eliciting lucid dreaming. Dreaming, 5(3), 159–168.
   * LaBerge, S., Levitan, L., Rich, R. & Dement, W. (1988). Induction of lucid dreaming by light stimulation during rem sleep. Sleep Research, 17, 104.
   * LaBerge, S. & Rheingold, H. (1990a). Exploring the world of lucid dreaming. New York: Ballantine Books.
   * Lavie, P. (1997). Die wundersame Welt des Schlafes. Entdeckungen, Träume, Phänomene. Berlin: Links.
   * Levitan, L. (1992). A thousand and one nights of exploring lucid dreams. NightLight, 4(2), 1–15.
   * Levitan, L. & LaBerge, S. (1993). Through the glass lightly. testing the limits of dream control: The light and mirror experiment. NightLight, 5(2), 5–10.
   * Levitan, L. & LaBerge, S. (1995). A course in lucid dreaming. The Lucidity Institute, Inc. Mechling, H. (1992). Motorisches Lernen. In P. Röthig & et al. (Hrsg.), Sportwissenschaftliches Lexikon (6., völlig neu bearbeitete Aulf., pp. 323–326). Schorndorf: Hoffmann.
   * Meijer, O. G. & Roth, K. (Hrsg.). (1988). Complex movement behaviour. ‘the´ motoraction controversy. Amsterdam, Oxford: North Holland.
   * Metzger, W. (1975). Psychologie. Die Entwicklung ihrer Grundannahmen seit der Einführung des Experiments. (5. Aulf.). Darmstadt: Steinkopff.
   * Niedermeyer, E. (1987a). The normal eeg of the waking adult. In E. Niedermeyer (Hrsg.), Electroencephalography. basic principles, clinical applications, and related fields (pp. 131–152). Baltimore; Munich: Urban and Schwarzenberg.
   * Niedermeyer, E. (1987b). Sleep and eeg. In E. Niedermeyer (Hrsg.), Electroencephalography. basic principles, clinical applications, and related fields (pp. 153–166). Baltimore; Munich: Urban and Schwarzenberg.
   * Pauen, M. (1999). Das Rätsel des Bewusstseins – eine Erklärungsstrategie. Parderborn: Mentis.
   * Reed, E. S. (1988). Applying the theory of action systems to the study of motor skills. In O. G. Meijer & K. Roth (Hrsg.), Complex movement behaviour. the motor-action controversy (pp. 45–86). Amsterdam, Oxford: North Holland.
   * Roland, P. E., Larsen, B., Lassen, N. A. & Skinhøj, E. (1980). Supplementary motor area and other cortical areas in organization of voluntary movements in man. Journal of Neurophysiology, 43(1), 118–136.
   * Roth, K. (1987). Motorisches Lernen. In H. Eberspächer (Hrsg.), Handlexikon Sportwissenschaft (pp. 252–259). Reinbek: Rowohlt.
   * Roth, K. (1990). Ein neues _ABC_für das Techniktraining im Sport. Sportwissenschaft, 20, 9–26.
   * Roth, K. (1998). Wie lehrt man schwierige geschlossene Fertigkeiten? In B. Sportgruppe (Hrsg.), Methoden im Sportunterricht: ein Lehrbuch in 14 Lektionen (pp. 27–47). Schorndorf: Hofmann.
   * Roth, K. & Hossner, E.-J. (1999). Informationsverarbeitungsansätze. In K. Roth & K. Willimczik (Hrsg.), Bewegungswissenschaft (pp. 176–211). Reinbek: Rowohlt.
   * Ryan, E. D. & Simons, J. (1981). Cognitive demand, imagery, and frequency of mental rehearsal as factors influencing acquisition of motor skills. Journal of Sportpsychology, 3, 35–45.
   * Schredl, M. (1999). Die nächtliche Traumwelt. eine Einführung in die psychologische Traumforschung. Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer.
   * Skinner, B. F. (1974). Die Funktion der Verstärkung in der Verhaltenswissenschaft (b. E. Ortmann, Trans.). München: Kindler. (Original erschienen 1969: Contigencies of reinforcement. A theoratical analysis)
   * Stegmüller, W. (1958). Der Phänomenalismus und seine Schwierigkeiten. Archiv für Philosophie, 8(1/2), 36–100.
   * Strauch, I. (1999). Traumforschung heute - Methoden und Ergebnisse. In W. Hacker & M. Rinck (Hrsg.), Zukunft gestalten (pp. 545–557). Lengerich: Pabst Science Publisher.
   * Strauch, I. & Meier, B. (1992). Den Träumen auf der Spur. Ergebnisse der experimentellen Traumforschung. Bern; Göttingen; Toronto: Hans Huber Verlag.
   * Sturm, A. & Clarenbach, P. (1997). Checkliste - Schlafstörungen. Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag.
   * Tholey, P. (1980a). Klarträume als Gegenstand empirischer Untersuchungen. Gestalt Theory, 2(3/4), 175–191.
   * Tholey, P. (1980b). Erkenntnistheoretische und systemtheoretische Grundlagen der Sensumotorik. Sportwissenschaft, 10, 7–35.
   * Tholey, P. (1981). Empirische Untersuchungen über Klarträume. Gestalt Theory, 3, 21–62.
   * Tholey, P. (1982). Bewußtseinsänderung im Schlaf. Wach’ ich oder träum’ ich? Psychologie Heute, 9(12), 21–62.
   * Tholey, P. (1985). Haben Traumgestalten ein eigenes Bewußtsein? Eine experimentellphänomenologische Klartraumstudie. Gestalt Theory, 7, 29–46.
   * Tholey, P. (1986). Deshalb Phänomenologie! Anmerkungen zur experimentell-phänomenologischen Methode. Gestalt Theory, 8, 144–163.
   * Tholey, P. (1988). Gestaltpsychologie. In R. Asanger & G. Wenninger (Hrsg.), Handwörterbuch der Psychologie (Wiederabdruck von 10. Aulf., pp. 249–255). Weinheim u. Basel: Beltz.
   * Tholey, P. (1989). Consciousness and abilities of dream characters observed during lucid dreaming. Perceptual and Motor Skills, 68, 567–578.
   * Tholey, P. & Utecht, K. (1997). Schöpferisch Träumen. Der Klartraum als Lebenshilfe (dritte Aulf.). Eschborn: Klotz.
   * Tonkinson, R. (1978). The mardudjara aborigines. living the dream in australia’s desert. New York, NY: Holt, Rinehart, Winston.
   * Turvey, M. T. (1977). Contrasting orientations to the theory of visual information processing. Psychological Review, 84(1), 67–88.
   * Vandell, R. A., Davis, R. A. & Clugston, H. A. (1943). The function of mental practice in the acquisition of motor skills. Journal of General Psychology, 29, 243–250.
   * Varela, F. J. (2001). Traum, Schlaf und Tod. Der Dalai Lama im Gespräch mit westlichen Wissenschaftlern. München: Piper.
   * Widmann, S. & Durstewitz, D. (2000). Phänomenales Erleben: Ein fundamentales Problem für die Psychologie und die Neurowissenschaften. Psychologische Rundschau, 51, 75–82.
   * Zimbardo, P. G. (1995). Psychologie (6., völlig neu bearbeitete Aulf.). Berlin; Heidelberg: Springer. (Original erschienen 1988: Psychology and Life, 12th Ed.)
   * Zurfluh, W. (2001). ¨ Uber den Zaun. (Internet-Adresse: http://www.into.ch/oobe/Index.htm)


[1] z.B. Jahrestagung der dvs-Sektion Sportmotorik in Gießen (2001) mit dem Thema: „Bewusstsein, Bewegung, Lernen“

[2] Im englischsprachigen Raum wird der Begriff lucid dream für Klartraum verwendet. Entgegen der Unterscheidung von Tholey und Utecht (1997) werden die beiden Begriffe in diesem Beitrag als Synonyme verwendet.

[3] Internetseite von Werner Zurfluh „Über den Zaun“ mit Beiträgen über außerkörperlichen Erfahrungen (AKE)

[4] Bei geschlossenen Fertigkeiten sind die Umfeld- und Ausführungsanforderungen festgelegt und gleich bleibend im Gegensatz zu offenen Fertigkeiten, in denen eine Bewegung unter variierenden situativen Umfeldanforderungen realisiert werden muss wie z.B. das Skifahren im freien Gelände (Brehm, 1998, S. 47).

[5] Das supplementär-motorische Areal (SMA) und der primär-motorische Kortex (MI) sind zwei Areale im Gehirn, die den absteigenden Nervenbahnen zu den Muskeln vorgeschalten sind (vgl. Birbaumer & Schmidt, 1996, Kapitel 13).}

[6] Für eine Diskussion über die Funktion von bewusstem Erleben siehe Sabine Widmann und Daniel Durstewitz (2000).

[7] Der Begriff Phänomenologie bzw. phänomenologische Methode wird in der Psychologie uneinheitlich verwendet. Für eine Abgrenzung zu anderen Bedeutungen siehe Kebeck und Sader (1984, S. 217ff).

[8] Die Kritik von Bornewasser und Bober soll in dieser Arbeit nicht aufgenommen werden. Siehe dazu Bornewasser und Bober (1985) und Bober und Bornewasser (1986). Für weitere Kritik an der phänomenologischen Methode siehe auch Wolfgang Stegmüller (1958).

[9] Allerdings muss einschränkend angemerkt werden, dass die Resultate der Klartraumforschung nicht uneingeschränkt auf das „normale“ Träumen übernommen werden können (Green & McCreery, 1998). Grundsätzlich muss in der Klartraumforschung mit Verallgemeinerungen vorsichtig umgegangen werden, da meist nur kleine Stichproben in den Untersuchungen verwendet werden (Schredl, 1999).

[10] In einer Arbeit von LaBerge kommt das partnerschaftliche Miteinbeziehen des Versuchpartners besonders zum Ausdruck, indem er die Klarträumerin, die den Versuch durchgeführt hat, als Co-Autorin angibt (LaBerge, Greenleaf & Kedzierski, 1983).

[11] Die Zeitschrift „NightLight“ ist das offizielle Mitteilungsschreiben des „Lucidity Institute“ (Palo Alto, CA, USA), welches von Stephen LaBerge gegründet wurde. Insgesamt erschienen 28 Hefte (1989-1996). Inzwischen wird die „NightLight“-Information in unregelmäßigen Abständen als „E-Mail“ an die Mitglieder des Instituts verschickt.

[12] Mit einem Realitätstest kann man überprüfen, ob man gerade träumt oder wach ist. In einem Traum stellt sich z.B. ein Schwebegefühl ein, wenn man in die Luft springt oder bei einer schnellen Körperdrehung dreht die Umgebung nach dem stoppen ein wenig nach. Der Lesetest ist ebenfalls ein guter Realitätscheck. Dazu liest man einen beliebigen Satz, schaut kurz weg und liest den selben Satz erneut. Danach wiederholt man den Vorgang kritisch ein zweites Mal. Bleibt das Geschriebene unverändert, so ist man sehr wahrscheinlich wach! Sind Sie gerade wach?

[13] Die folgenden Traumberichte wurden von mir zur Wahrung der Anonymität der Versuchsteilnehmer und auch aus sprachlichen Gründen mehr oder weniger redigiert.

[14] Auf der Rückseite des Kursheftes bzw. Traumtagebuch sind drei Zahlenreihen gedruckt, mit denen man im Wachen einen Lesetest durchführen soll, um sich zu überzeugen, dass man nicht träumt.

[15] Elektrische Geräte neigen in Klarträumen zu Fehlfunktionen. Am NOVA-Dreamer ist deshalb ein Taster angebracht. Drückt man diesen, so blinken die Leuchtdioden kurz auf und ein Piepsen ist zu hören. Bleibt dies aus, sollte man sich mit einem weiteren Test vergewissern, ob man träumt oder wacht.

[16] Die Adresse der Mailingliste lautet: http://kyb.faveve.uni-stuttgart.de/luCDT-l


Oktober 2004 · kontakt

Persönliche Werkzeuge